Review: Ty Segall – Harmonizer

Vom Headbangen zum Kopfnicken.

Manchmal kommt das Neue halt doch mit einem „Bang“. „Harmonizer“ (Drag City) etwa, das neue Album von Ty Segall, das ohne große Ankündigung einfach veröffentlicht wurde. Und das den Kalifornier wieder in einem neuen Licht zeigt.

Vom rohen Garage Rock hatte sich Segall bereits länger verabschiedet. Er experimentierte mit Noise und Funk, legte auf seinem bisher letzten Album, dem 2019er „First Taste„, die Gitarre gar ganz zur Seite.

Zusammen mit Cooper Crain (Bitchin Bajas) bastelte er auf „Harmonizer“ an einer neuen Version des Segall-Sounds. Dieser ist mehr auf Beats und Synthies fokussiert, wenn auch Fuzz stets erwünscht ist.

Freedom Band und Frau sind mit dabei, wenn Segall an den elektronischen Geräten schraubt. „Learning“ eröffnet, zieht uns gleich den Boden unter den Füßen weg. Scheppernde, pluckernde Beats, dann weite Synthieflächen.

Dann mit „Whisper“ ein kleines Fuzz-Fest, doch der Song groovet sich dann eher zu einem Instant Hit. Gefällt alles sehr gut, wenn auch der Schwurbel-Beat in weiterer Folge etwas dominiert. Wobei der Titeltrack ihn zumindest weniger aufdringlich gestaltet. Hier kickt die Drum Machine gut, es entwickelt sich fuzzy Synthie Pop.

Mit „Pictures“ haben wir dem Trademark gehorchenden kreischenden Garage Rock, der aber zur Mitte in Vertracktes abkippt, dann zerfließt. Auch sehr fantastisch!

„Waxman“ präsentiert dicken Groove-Rock, eine Wahnsinnsnummer. Denée schenkt „Feel Good“ Post Punk-Vibes, die dankbar für die Schlussnummer „Changing Contours“ aufgenommen werden.

Die Platte klingt frisch, frischer noch als „First Taste“. Der Segall-Sound ist da, er wird neu ausgelotet. Sicherlich waren die Arbeiten an Wasted Shirt prägend. Eine Spur mehr Noise und ein variantenreicherer Beat hätten wohl ein Meisterwerk markiert.

Fazit: Die neuen Kleider gefallen.

Ty Segall - Harmonizer

9.1

9.1/10
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