Review: Italia 90 – Living Human Treasure

Leidenschaftlicher Post Punk aus England.

Ob wir dann irgendwann auf die 2020er zurückblicken und uns zunicken und sagen werden „Ja, das waren aufregende Zeiten für die Rockmusik und ihr Ursprung war, wie so oft, England“? Was die Menschen dort aktuell mit Post Punk machen ist schon grandios. So wendig, spritzig, ideenreich. Italia 90 hätten wir jedenfalls heute im Angebot.

Living Human Treasure“ (Brace Yourself) nennt sich das Debütalbum, das einigen kleineren Releases nachfolgt. Fünf Tage Studiozeit hatte die Band aus London gebucht. Nach zwei Tagen war man fertig, kasperte dann noch etwas herum. Verspielte Tightness entstand und eine hervorragende Platte.

Die Einflüsse sind mannigfaltig, u.a. New Wave, Goth Rock und Jazz werden zitiert. Zumeist haben wir es mit stoischem Post Punk mit technoiden Strukturen zu tun, der sich Noise einlädt. „Leisure Activities“ setzt etwa hektische Drums auf brodelnde Flächen, die dann zum lauten Ausbruch führen.

Ungestüm und kantig, dann doch locker klimpernd. Nicht gar so chaotisch wie black midi, nicht so zerfahren wie Black Country, New Road, vielleicht eher so impulsiv wie Squid.

Dramatisch und fantastisch das fast acht Minuten lange „Competition“. Immer auch hoffnungslos und unsere beliebige Gesellschaft widerspiegelnd, dann wieder ganz beschwingt.

Die Songs bleiben nur selten straight, wissen immer wieder Wendungen einzubauen. Das apokalyptische „Golgotha“ etwa, ganz groß und schon sehr verstörend.

Fazit: Ist vertraut, dennoch einzigartig.

Italia 90 - Living Human Treasure

8.7

8.7/10