Die 25 besten Alben des Jahres 2021

Das Album des Jahres kommt von Amyl and the Sniffers.

Platz 25: Zinn – Zinn (Numavi)
Debütalbum des Trios aus Wien, ein eindringliches, dann fluffig rockendes, immer stimmungsvolles. Zinn setzen auf düstere, schleppende Sounds. Das Akkordeon tritt auf, macht Platz für die Trompete. Dark Western Gothic-Atmosphäre, dann lauter Rock mit „Black Lake“ und ein wenig Punk mit dem großartigen „Lethargie“. Packend, verstörend, manchmal auch witzig.

Platz 24: Melvins – Working With God (Ipecac)

Zurück in die Vergangenheit mit dem 1983er Lineup: Buzz Osborne, Dale Crover und Mike Dillard finden für das 24. Album wieder zusammen und bringen Highschool-Flair mit. Da ist viel Quatsch, wie etwa das Beach Boys-„Cover“ „Fuck Around“ oder „1Fuck You“, das auf „You’re Breakin‘ My Heart“ von Harry Nilsson basiert. Drumherum zeigt sich das Trio ernsthaft dem Heavy Rock verschrieben. Der typische Melvins-Sound wummert auch fast 40 Jahre später noch so fantastisch.

Platz 23: The Cult Of Dom Keller – They Carried The Dead In A U.F.O. (Fuzz Club)

Die Briten schießen auf ihrem fünften Album den Psych Rock endgültig ins All. Statt hypnotischem düsterem Psych treten Industrial, Noise und Elektro auf. Helle Stellen treffen dabei auf düstere Passagen. Insgesamt ein Album das Bedrohliches, Flächiges, scheppernde Beats, Experimentelles und verspielten Synthie Pop vereint. Am Ende kommen dann auf „Last King Of Hell“ noch angepisste Velvet Underground zur Party. Viele Ansätze, die allesamt das bisher beste Werk der Band darstellen.

Platz 22: M. Caye Castagnetto – Leap Second (Castle Face)

Fünf Jahre schraubte die aus Peru stammende Musikerin mit diversen Gästen an ihrem Debütalbum. Sie sammelte über die Zeit verschiedenste Eindrücke aus allen möglichen Ländern und ließ dies alles in die Platte einfließen. Herausgekommen ist ein Wahnsinn zwischen Folk und Sampling, detailverliebt bis ins Letzte, dabei sehr oft berührend, manchmal ungewöhnlich fremdartig.

Platz 21: Night Beats – Outlaw R&B (Fuzz Club)

Danny Lee Blackwell kehrt nach einem Ausflug zum Garage Soul für sein fünftes Album zurück zum Garage Psych der Anfänge. Die Night Beats sind nicht mehr ganz so psychedelisch und kantig wie früher, spielen ihren Rock mehr auf den Punkt und durchaus zugänglicher. Doch dankenswerterweise wurde auf allzu viel Politur verzichtet. So zeigen „New Day“ (staubig) und „Ticket“ (hypnotisch), dass Blackwell immer noch weiß, wie psychedelischer Rock funktioniert.

Platz 20: Shannon and the Clams – Year Of The Spider (Easy Eye Sound)

Erneut gefühlvoller Retro Pop von gewohnt guter Qualität. Dieses Mal mit vielen Schwarztönen. Stark gebeutelt ging Shannon Shaw in die Aufnahmen, hatte viel Unglück erlitten. So ist die Platte oft zurückhaltender und trauriger. Vielleicht die persönlichste und auch glatteste Platte der Band, mit Sicherheit die rundeste. Und mit dem stampfenden „Midnight Wine“ hat man in jedem Fall den Ohrwurm des Jahres dabei.

Platz 19: Cory Hanson – Pale Horse Rider (Drag City)

Der Anführer von Wand, dort zuletzt mit psychedelischem Garage Indie beschäftigt, kuschelt sich solo eher an uns. Wir lassen ihn gewähren, hat er doch so Wundervolles wie „Angeles“, so Berührendes wie „Bird of Paradise“ und dann doch so jammig Rockendes „Another Story From the Center of the Earth“ dabei. Auch sehr zu empfehlen: Die absurden „Limited Hangout“-Begleit-Videos.

Platz 18: 10 000 Russos – Superinertia (Fuzz Club)

Für das fünfte Album holte sich die Band aus Portugal einen frischen Mann für die Synthies. Der hilft dann dabei, den Sound krautiger, hypnotischer und stetig antreibend anzulegen. Die Roboter kommen aus der „Station Europa“, treffen dann auf Feedback und gemütlich Blubberndes. Sehr laut rockend dann das 14 Minuten lange „Mexicali/Calexico“. Technoider Rock der Extraklasse.

Platz 17: Part Chimp – Drool (Wrong Speed / Learning Curve)

Der neueste Output der Noise Rock-Band aus London ist ungehobelt, dennoch auch ein wenig freundlich. Beginnend mit dem kraftvollen Opener „Back From The Dead“ gibt es Mosher mit melodischen Passagen. Es brummt tief, dann tauchen luftige Gitarrensoli auf. Fies und zupackend, dicht und dramatisch und ein wahrer Genuss.

Platz 16: King Gizzard & The Lizard Wizard – L.W. (Flightless)

17. Album der Australier und nächster Eintrag in der mikrotonalen Serie: Der direkte Nachfolger zum 2020er „K.G.“ beginnt gleich fanatisch mit „If Not Now, Then When?“, das kurz nach Apokalypse schmeckt, dann in catchy Cyberboogie verfällt. Die Varianz geht so weiter. Funky, orientalisch, psychedelisch, zupackend, proggig, an manchen Stellen auch poppig, das später im Jahr erschienene „Butterfly 3000“ vorbereitend. Dann noch mal Gitarrengeschredder auf dem Closer „K.G.L.W.“, wie wohltuend.

Platz 15: Comet Control – Inside The Sun (Tee Pee)

Die Nachfolgeband von Quest for Fire holt zum dritten Schlag aus. Der gerät wie immer hart und sanft zugleich. Toll knarzender Fuzz Rock erhält spaceige Komponenten, dazu wird melodischer Gesang gereicht. Dazu gibt es noch ein wenig Kraut Rock und Shoegaze. Eine sehr dynamische Angelegenheit, das im hellen „Welcome To The Wave“ und dem schön rockenden „Secret Life“ zwei wahre Highlights findet.

Platz 14: Gloria – Sabbat Matters (Howlin‘ Banana / Outré Disque / Le Pop Club)

Fünf Jahre nach dem Debütalbum kehrt die Band aus Frankreich mit neuen Abenteuern in Technicolor zurück. Es ist wundervoller French Beat, tief in den 1960ern verwurzelt, harmonisch, dann forsch rockend, bunt und friedlich. Hervorzuheben: Das catchy geheimnisvolle „Skeletons“, das dennoch viel Soul beinhaltet, das forscher rockende „Night Biting“ und das knarzende „Global Warning“.

Platz 13: Mush – Lines Redacted (Memphis Industries)

Zweite LP der Band aus Leeds, die hier ihren Slacker Post Punk erweitert. Das Debüt hatte seine Momente, dass die Eintönigkeit jetzt aber mehr Abwechslung weicht, wird gerne genommen. Lasch klimpernd etwa „Drink the Bleach“. Mit „Morf“ kommen dann Sonic Youth-Vibes. An anderer Steile gibt es fuzzy Grooves und Country-Klimpereien. Oft sind Mush sehr schräg, dennoch catchy und immer Vollgas-Punks, denen einfach alles egal ist.

Platz 12: Møtrik – MØØN: The Cosmic Electrics of MØTRIK (Jealous Butcher)

Nach dem zuletzt sehr deutschen Album „Artificial Head“ begibt sich die Band aus Portland nun wieder näher an fließenden Space Rock, den Kraut immer noch im Hinterkopf habend. In sehr langen Exkursen lässt man sich treiben. Zwischendrin Überraschendes, wie etwa das funky „Particle Maze“. Ansonsten erhält man brummende, endlose Tracks, die aber auch gar nicht mehr aufhören müssten.

Platz 11: SPLLIT – Spllit Sides (Feel It)

Das Duo aus Baton Rogue arbeitet unter dem Label Next Level Music. Bedeutet: Art Rock mit einer gewissen Catchiness, Spoken Word zu schiefer Gitarre und stolpernder Percussion. SPLLIT sind immer auch aufwühlend punkig, mal verträumt und zumeist skizzenhaft. Und weiter: 8-Bit-Sounds, überfallsartiger Punk, entspannter Weird Folk. Faszinierende Musik aus der Zukunft. Die Platte ist dabei nicht gänzlich neu, nur die A-Seite. Die B-Seite bietet dann eine überarbeitete Version der 2019er EP „Spllit Together“.

Platz 10: CIVIC – Future Forecast (Flightless / ATO)

Nach einigen EPs bietet die Band aus Australien ihren druckvollen, straighten Punk erstmals in voller Länge an. Vom catchy Überhit „Radiant Eye“ über das hingespuckte „Another Day“ zum poppig fließenden „As Seen On Tv“ – und das ist nur der Auftakt zu einer Wahnsinnsplatte. Es begegnen uns weitere Kracher und viel Varianz, etwa das Spoken Word zu dichtem Rock auf „Sunday best“. Mitreißender waren nur The Stooges.

Platz 9: Power Supply – In the Time of the Sabre​-​Toothed Tiger (Goner / ANTI FADE)

Wir bleiben beim ehrlichen Rock aus Australien. Bei Power Supply handelt es sich in Wahrheit um die Ooga Boogas, die hier unter neuer Flagge weiter ihren geradlinigen, catchy Rock fabrizieren. Eine Platte, die nie zu schräg ist, immer leicht runtergeht, dabei aber nicht egal ist. Mind-blowing, wie das forsch galoppierende „Infinity“ den Entstehungsprozess des Songs „Infinity“ beschreibt. „Acid Rain“ lässt dann etwas Lysergsäure zu Boden, Power Supply nehmen es mit einem Schulterzucken.

Platz 8: Palberta – Palberta5000 (Wharf Cat)

Das Trio aus New York wendet sich vom Art Punk ab und entdeckt den Pop. Natürlich bleiben Palberta sperrig, diese Dickschädel. Das fünfte Album der Band ist satt produziert, klimpert immer noch recht befremdlich, ist aber durchgehend hörbar. Es ist der bekannte, vertrackte Sound mit neuen Harmonien. So sehr man die New Yorkerinnen für ihren bisherigen Ansatz geliebt hat, so erfreut ist man doch auch über den neuen. Eine Platte für jeden Tag, für immer.

Platz 7: Squid – Bright Green Field (Warp)

Einer dieser fantastischen, jungen, britischen Post Punk-Bands. Squid legen als Debütalbum ein überaus ambitioniertes Werk vor, das durch verschiedene Stile wabert. Tumulte werden ausgelöst, man ist aufgekratzt, kommt nur selten zur Ruhe. Experimentelle Soundflächen tauchen auf, Spoken Word-Passagen werden eingestreut. Alles trägt zu einer dystopischen Stimmung bei, die aber eher arty als düster ausfällt. Highlights: Das überwältigende „Narrator“, das kreischende „2010“ und das stete „Pamphlets“.

Platz 6: Black Country, New Road – For the first time (Ninja Tune)

Die nächste Post Punk-Band aus Großbritannien, wieder mit dem Debüt. Einige Tracks kannte man schon, sie wurden neu aufgenommen und in ein tolles Gesamtkunstwerk eingehängt. Black Country, New Road sind weniger punkig, dafür atmosphärischer, auch erzählend, aber mehr dem Pop zugehörig. Man listet Referenzen auf, präsentiert sich als Auskenner. Einzurahmen wäre: „I wish all my kids would stop dressing up like Richard Hell“ („Sunglasses“).

Die Band spielt mit brüchigem Spoken Word über hin und her schwappende Musik. Mal ist man näher am Jazz, rockt dann doch forsch. Anfang 2022 wartet ein neues Album und wir wollen unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Platz 5: Ty Segall – Harmonizer (Drag City)

Der Garage-Rocker hat dieses Album dann irgendwann gedroppt, ohne den üblichen Promozyklus. Da, nehmt. Und? Großartig natürlich. Weil Segall nicht aufhört, Neues auszuprobieren. Nach dem Album ohne Gitarren gibt es hier nun den Beat. Zusammen mit Cooper Crain (Bitchin Bajas) bastelte er auf „Harmonizer“ an einer neuen Version des Segall-Sounds. Dieser ist mehr auf Beats und Synthies fokussiert, wenn auch Fuzz stets erwünscht ist.

„Learning“ eröffnet, zieht uns gleich den Boden unter den Füßen weg. Scheppernde, pluckernde Beats, dann weite Synthieflächen. Mit „Whisper“ ein kleines Fuzz-Fest, doch der Song groovet sich dann eher zu einem Instant Hit. Der Schwurbel-Beat dominiert, aber er kleidet den Kalifornier gut.

Platz 4: Birds of Maya – Valdez (Drag City)

Eigentlich ist die Platte bereits sieben Jahre alt, dennoch erschien sie erst jetzt. Jason Killinger, Ben Leaphart und Mike Polizze hatten jahrelang in Philadelphia lauten Psych Rock gespielt, dann aber 2014 die Birds of Maya beendet. Die letzten Sessions wurden nie veröffentlicht, bis jetzt.

Vielen Dank dafür! Was für ein fetter Psych Rock das ist. So fiepsend und brummt, so tight und doch so ausufernd. Den Proto Metal als Rückendwind geht es durch die Songs, die gleich mit dem Opener „High Fly“ ein kreischendes Spektaktel anbieten. „BFIOU“ dann knackig, „Busted Room“ hypnotisch, „Please Come In“ stampfend. Ein Erlebnis!

Platz 3: Gnod – La Mort Du Sens (Rocket Recordings)

Laut, unfassbar laut, Gnod: Das erste richtige Album der Briten seit dem 2018er „Chapel Perilous“ gerät zu einem Massaker. Man kann nicht aufhören, das Album zu hören, aber irgendwie tut es einem nicht gut. Humorlos, unglaublich roh und heavy.

Ist eine Platte wirklich gut, dann ruft sie Gefühle hervor, egal welcher Art. Somit ist „La Mort Du Sens“ eine Sensation, denn so zupackend kann kaum eine Band sein. Es ist kein schönes Erlebnis, diese Songs zu hören. Aber sie berühren bis ins tiefste Innere.

Platz 2: BIG|BRAVE – Vital (Southern Lord)

Fünf unglaubliche Songs, die perfekt im Cover eingefangen sind. Schwerelose, flirrende Heaviness. Robin Wattie, Mathieu Ball und Tasy Hudson wagen nicht allzu viele Experimente. Die Grundlagen bleiben. Was aber durchaus auffällt, ist die Homogenität, der durchdachte Flow, die Dramatik.

Schon dieser Einstieg mit „Abating the Incarnation of Matter“, das die bekannte Wucht anbietet, einnehmend ist. Dann dröhnt es zur Mitte, der Staub legt sich, nur damit noch mal energisch drübergefahren werden kann.

Bei all dem Lauten sind die ruhigen Momente dann die packenden. Wenn etwa Watties Stimme auf „Half Breed“ im leeren Raum schwebt, großartig. Oder das Drone-Interlude „Wited, Still and All…“, wundervoll. Da wirkt dann der Folgetitel „Of This Ilk“ umso brutaler. Sehr schön gemacht!

Platz 1: Amyl and the Sniffers – Comfort To Me (Rough Trade / B2B / ATO)

Das umjubelte 2019er Debüt war schon recht großartig, der Nachfolger übertrifft es aber locker. Ohne Live-Auftritte hatte Sängerin Amy Taylor viel Energie und die ließ sie hier einfließen. Wie man das spürt! Eine Platte, wie der Sprung in den Moshpit nach jahrelanger Dürreperiode. Eine Platte, die antreibt, in den Hintern tritt, dabei immer der treue Partner ist.

Die Band aus Australien lässt neue Stile einfließen, etwas Hair Metal, eine Prise Old School Hard Rock. Das passt so gut zu dem No Bullshit-Punk, es ist eine wahre Freude. Unübertroffene Hits für die Ewigkeit: „Security“, „Hertz“, „Guided By Angels“.

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