Review: Ty Segall – Three Bells

Neues aus dem Innenleben des Kaliforniers.

Nach seinem ausladenden 2018er „Freedom’s Goblin“ hatte sich Ty Segall immer weiter in sein Harmomizer Studio zurückgezogen. Das 2022er „Hello, Hi“ fiel schon recht introvertiert aus. Noch persönlicher ist der Nachfolger „Three Bells“ (Drag City).

Die Freedom Band schaut nur noch selten vorbei, hier spielen Segall, Ehefrau Denée und Cooper Crain auf. Musikalisch erhalten wir eine Melange aus dem, was seit Abschluss seiner Garage Punk-Phase mit „Twins“ auf den Weg gebracht wurde: Folk, Glam, 70s Rock und auch viel Abstraktes. Free Folk mit Fuzz-Gitarre, Garage Noise Rock, irgendwas in der Richtung.

Mit herrlich zugänglichen Momenten, die dann ins Chaos kippen. In Doppel-LP-Form auf 15 Songs erstreckt. Schon nach dem Opener-Doppel aus „The Bell“ und „Void“ die Erkenntnis: Das kann ganz schön anstrengend werden. Tolle Songs, aber auch mit so vielen Wendungen ausgestattet. Nun, ist die Platte eher ermüdend?

Ganz und gar nicht. Vertracktes wird nie zu wild. Sanfte Stellen federn ab. Segall schert auch gerne zu Knackigem aus, wie mit dem Glam-Groover „Hi Dee Dee“. Oder auf „Denée“, auf dem er sich herrlich psychedelisch verheddert.

Im Ganzen dann doch ein Album, das anspruchsvoll und angenehm zugleich ist. Mit großen Melodien und verkopfter Weirdness. Um eine urbane Legende aufzugreifen: Klingt so, als ob die Residents aus den Mitgliedern der Beatles bestehen würden.

 

Ty Segall – Three Bells: Garage Rock trifft Folk trifft Art Punk RIFL

9
von 10
2024-01-26T13:55:03+0100