Die 25 besten Alben des Jahres 2023

Das Album des Jahres kommt von BIG|BRAVE.

25. Dick Stusso – S.P.

Nic Russo schlüpft wieder in die Rolle von Dick Stusso, einem rockenden Looser, der immer unangenehmer wird. Seine Welt wird zu einem Alptraum, die Spirale zeigt nach unten. Musikalisch erhalten wir LoFi Rock, HiFi Pop, Rock`n`Roll, Folk, Blues, alles überzogen mit einer merkwürdigen Schicht. Fühlen wir uns wohl beim Hören der Platte? Kaum, aber das Düstere hat schließlich eine gewisse Faszination. Das 18 Songs starke Album quillt über vor Ideen. Die abgewürgte Power Pop-Hymne schleicht sich an den galoppierenden Cowboy an. Eine Platte, die nicht gewollt witzig oder absurd ist sondern eine einnehmende Leichtigkeit ausstrahlt.

24. Ibex Clone – All Channels Clear

Tief verwurzelt in der Punk-Szene von Memphis, hervorgegangen aus Hash Redactor mit Vergangenheiten bei Ex-Cult und den NOTS. Zunächst mit Post Punk hantierend, ist man hier bei Power Pop angelangt. An manchen Stellen krautig, an anderen dann doch wieder beim Post Punk, insgesamt aber im Fluss. Bringt einen künstlerischen Anspruch mit. Sicherlich eine Platte, mit der man sich beschäftigen muss, dann aber auch wieder gut nebenher hören kann. Dieses Mal geht beides.

23. Cheater Slicks – Ill-Fated Cusses

Einer dieser Bands, denen so ziemlich alles scheißegal ist. Motto: Singen kann er nicht, aber der Sound ist gut. Alles eiert und rauscht, es ist so herrlich. Die erste Platte seit einer Ewigkeit. In den 1990ern recht produktiv, ist so ein Cheater Slicks-Album mittlerweile ein rares Gut. Tauchen wir ein in Punk, der so gemächlich sein kann, dann wieder alles zerfetzt. Leidenschaftlich gelangweilt, kunstvoll dahingerotzt. Aus Boston, hat aber schon immer besser nach Los Angeles gepasst. Free Punk Rock mit einer Brise Sonnenschein und ein wenig Härte. Hervorzuheben noch das Spoken Word-Experiment „Lichen“, das immer noch nachfiepst.

22. Miranda And The Beat – Miranda And The Beat

Vielleicht einer der Überraschungen des Jahres. Miranda And The Beat mit ihrem heißen Garage R`n`B, protegiert von King Khan himself und Nick Zinner hat auch im Studio vorbeigeschaut. Miranda Zipse und Kim Sollecito, zwei Suchende, die es von Kalifornien nach New York verschlug und dort fanden sie den Lederjacken Rock`n`Roll. Auf der Fahrt verlor man Freunde, gewann neue und hat nun schlussendlich eine Platte aufgenommen. Hits, wo man hinschaut, simpel, krachend, schweißtreibend. Kann man gut finden, auch wenn man nicht so auf diesen Retro Garage Rock steht.

21. Upper Wilds – Jupiter

Der neueste Eintrag in der Planetenserie des Trios aus Brooklyn. Dem größten Objekt unseres Sonnensystems begegnen die Upper Wilds mit mächtigen Gitarrenwänden. Ein Koloss von einem Album, das aber auch leichte Momente zulässt. Ein wenig Power Pop meets Space Rock, im Gesamten für den Punk mit den langen Haaren, der aber auch ein Faible für Indie Rock hat.

20. Frankie and the Witch Fingers – Data Doom

Die Band aus Los Angeles hat über die letzten Jahre hinweg etwas kultiviert, was man als klassischen Frankie and the Witch Fingers-Sound klassifizieren könnte. Überfallsartiger Garage Psych mit Fuzz und Jam, so in etwa. Jedenfalls ist mit „Data Doom“ nun der Punkt erreicht, wo wir das immer noch schätzen, aber nun bald nicht mehr hören können. Also für zukünftige Alben mal gerne etwas Neues, hier geht das noch recht gut. Eine insgesamt schöne Psych Rock-Platte mit Ab- und Ausschweifungen.

19. The Shits – You’re A Mess

Den Jungs vom Plattencover möchte man wohl eher nicht in einer dunklen Gasse in Leeds begegnen. Machen sie aber Musik, sind wir voll dabei. Grimmiger Punk mit Psych Rock-Elementen. Noise Rock, der in einer Endlosschleife gefangen ist. Oder, den Pressetext zitierend: „Fun House auf AmRep“ oder „Psych Rock ist tot und das sind ihre Totengräber“. Ein harter Brocken, aber wir nehmen die Herausforderung an.

18. The Psychotic Monks – Pink Colour Surgery

Aus Paris, pflegen aber den modernen britischen Post Punk-Ansatz. Heißt: Groovend, cool, aber auch furchtbar kompliziert. Mit Daniel Fox von Gilla Band hatte man einen Experten mit an Bord. Album Nummer drei und das bisher beste von den Psychotic Monks. Sehr künstlerisch, aber nicht zu gewollt, immer noch mit Leichtigkeit behaftet. Auch sehr experimentierfreudig und oft elektronisch und damit ebenfalls voll im Trend.

17. Mudhoney – Plastic Eternity

35 Jahre nach „Superfuzz Bigmuff“ immer noch fresh. Die Grunge-Institution aus Seattle, die eigentlich nicht so wirklich Grunge macht. Eher Psych Rock. Ist auch egal, jedenfalls ein tolles Rock-Album. Und das, obwohl Mudhoney vor Herausforderungen, wie Songwriting aus der Distanz, gestanden sind. Für eine Band, die normalerweise ihre Songs organisch erarbeitet ein Novum. Merkt man jedoch zu keiner Sekunde. Ein kompaktes und mitreißendes Album.

16. Sunflowers – A Strange Feeling of Existential Angst

Eine Band, die kurz vor dem Aus gestanden war. Dann ein letzter Versuch und es klappt wieder. Herausgekommen ist eine reinigende, wundervolle Platte, die mal Abstand vom ursprünglichen Garage Psych nimmt, dann doch wieder dorthin zurückkehrt. Da steht sanfte Elektro Pop-Nummer neben fettem Fuzz Rock. Gut, dass wir euch haben!

15. Upchuck – Bite The Hand That Feeds

Einer wenig spannenden ersten Platte folgt umgehend eine sehr großartige zweite. Upchuck mieten sich bei Ty Segall ein und finden zwischen zwei Live-Auftritten ihren Plan. Der Punk brummt mehr, ist direkter und krachender. Kalifornisch an manchen Stellen, dann doch recht klassisch entfesselnd. Genau da weitermachen bitte!

14. Hyper Tensions – Sick Soother

Es zeige auf, wer die Hyper Tensions vor „Sick Soother“ kannte. Dachte ich mir. Sind schon seit ein paar Jahren aktiv, mit dieser Platte aber irgendwie zum ersten Mal wirklich in Erscheinung getreten. Ein Psych Rock-Album, wie man es sich wünscht. Direkt und rockend, dann wegdriftend und ausufernd. Dabei stets verschiedene Stile ausprobierend. Den lockeren Sixties Psych ebenso beherrschend, wie den wuchtigen Neo Psych.

13. The Drin – Today My Friend You Drunk the Venom

Teile von The Drin finden wir auch bei Motorbike wieder. Dazu später mehr. Jedenfalls ein Vehikel aus Cincinnati, auch dazu später mehr. Federführend Dylan McCartney, den Hipster von The Serfs kennen. Eiernder Kraut Rock, peitschender Cowboy Rock, rumpelnder Power Pop, alles irgendwie dahingerotzt, aber auch furchtbar ansprechend. Eine Art Platte, die leicht und einfach wirkt, dabei so viel Liebe im Detail hat.

12. Italia 90 – Living Human Treasure

Nostalgische Sounds mit aktuellem Bezug: Bei Italia 90 findet man sich schnell zurecht. Stimmungsvoller Post Punk mit düsterem Anstrich. Ein Debütalbum einer Band, die sich ihren Namen schon sehr gut ausgesucht hat. Das Jahrzehnt des Aufbruchs steht bevor, wir kommen aus den unsicheren 80ern. Kühl, aufwühlend, bisweilen noisey und mit Breakbeats hantierend, dann wieder wärmend. Aufregend im Gesamten.

11. Glyders – Maria’s Hunt

LoFi Glam Rock, Poser Garage Rock: Eine Band, die nicht zu dick aufträgt und deshalb so angenehm ist. Eine Spur mehr Glitter und die Platte wäre möglicherweise unerträglich geworden. So ist sie aber wundervoll. 70s Rock, Country, Folk, eine ordentliche Spur Weirdness dazu. Fühlt sich immer irgendwie an, als ob sie uns verarschen wollen. Wollen sie aber nicht, lasst uns gemeinsam Spaß haben.

10. Iguana Death Cult – Echo Palace

Schwierige Zeiten während der Pandemie, die Holländer nutzten ihre Bandproben eher als Therapiestunden. Aus Gesprächen wurden Jams, aus Jams diese wunderbare neue Platte. Der frühere Garage Rock wurde etwas beiseite gelegt. Es entwickelte sich ein Sound, der ein bisschen nach Talking Heads klingt, aber auch Momente von Psych Rock und stets sehr funky ist. Die Therapie hat sich gelohnt.

9. Routine Death – Comrade

Das Ehepaar Zozaya ist nun endlich in Göteborg angekommen. Die vorangegangen beiden Platten standen unter dem Einfluss des Aufbruchs, ihr LoFi Psych Pop geriet ein wenig unruhig. Hier nicht mehr. „Comrade“ zeigt ein gefestigtes Duo mit Selbstbewusstsein. Man hat neue Freunde gefunden, die dann auch gleich mitspielen dürfen. Ein Album mit verträumten Sounds, einnehmendem Drone und catchy Elektro Pop. Eine sehr runde Sache.

8. C.O.F.F.I.N – Australia Stops

High Energy Rock`n`Roll aus Australien. Ein bisschen in der Tradition des Landes: Räudig, versoffen, aber auch catchy as hell. Dann wieder sehr eigenständig mit schwelgerischen Momenten. Ein bisschen Skandinavien der 1990er schmecken wir heraus, aber auch recht zeitgemäßen und wortgewaltigen Post Punk. Mit Hits gespickt, für den Live-Moment in jedem Fall bereit. Mit der fünften Platte stehen C.O.F.F.I.N am Höhepunkt ihres Schaffens.

7. CIVIC – Taken By Force

Wieder Australien, dieses Mal ein wenig ernsthafter. Die zweite Platte des Quintetts mit dem Fokus auf dichten Gitarrensound. Melodischer Punk, fließend, an manchen Stellen mit Proto und Noise hantierend. Man ist nicht so sehr überrascht, wie noch beim Debütalbum. Dennoch eine wirklich starke Platte, die ein jeder Freund von Gitarrenmusik haben muss. Nur auf einen Überhit muss man leider verzichten. Beim nächsten Mal wieder.

6. Being Dead – When Horses Would Run

Falcon Bitch und Gumball, ein eigenartiges Duo aus Austin, das immer wieder neue Geschichten über sich erfindet. Nicht weniger seltsam ihre Musik. Surf, Sixties Psych, Free Jazz, Indie Rock, alles in einen Topf geworfen, daraus solche Hits wie „Muriel`s Big Day Off“ gefertigt. Der Tod als Grundthema, untermalt mit locker catchy Psych Pop. Geht hier ganz hervorragend.

5. Motorbike – Motorbike

Die Punk-Szene in Cincinnati pulsiert gerade, bringt immer wieder neue tolle Bands hervor. Motorbike entstanden aus einem Zufall heraus. Jerome Westerkamp hatte mit seinem Gefährt einen Unfall und, schwupps, es war eine neue Gruppierung geboren. Sie spielen natürlich Punk, legen ihn sehr unterschiedlich aus. Psychedelisch fließend, dann hart zupackend, auch gerne poppig. „Motorbike“ von Motorbike aus dem Album „Motorbike“ ist sicherlich einer der Songs des Jahres.

4. Flat Worms – Witness Marks

Immer wieder waren die Flat Worms auf dem Weg zu einem Meisterwerk. Doch irgendwas hat immer nicht zu 100 Prozent gepasst. Auf „Witness Marks“ passt alles. Brodelnder Bass, kämpferischer Gesang, flirrende Gitarre, engagierte Drums. Ein Trio, das harten Garage Rock bevorzugt, aber auch nicht ungern zu einer eingängigen Melodie wechselt. Das alles passiert sehr organisch, wie aus einem Guss.

3. The Men – New York City

Die New Yorker mit ihrer Ode an die Heimat. Dabei sehr konzentriert auf polternden, grobkörnigen Rock. Schmutzig, roh, aber ungeheuer faszinierend, so wie eben New York City. The Men haben einige Platten hinter sich, dabei diverse Stile ausprobiert. Hier herrscht weniger Experimentierfreude, dafür werden sehr tighte, mitreißende Rock-Songs präsentiert. Vielleicht die beste Classic Rock-Platte, die man sich denken kann. Die dazugehörigen Fuzz Club Sessions unbedingt gleich mitnehmen.

2. Goat – Medicine

Das World Music Psych-Konzept hatte sich für Goat irgendwie erledigt. Die letzten Platten waren überfrachtet, keiner der 1001 Ansätze ging auf. Umso überraschender nun dieses Album. Aus Soundtrack-Arbeiten heraus entstanden, mit einem geschärften Fokus auf schwedischen 70s Psych Folk. Nicht gar so überraschend und abwechslungsreich, dafür in seiner Klarheit bestechend. Nie war der Sog stärker, nie das Songwriting besser. Wah Wah, Fuzz, dazu sanfte Flötentöne. Psychedelisch, wie es nur psychedelisch sein kann, vor Lysergsäure triefend. Als Nachtisch noch die Levitation Session, die alte Klassiker auf das neue Weltklasse-Niveau hebt. Ein krachendes Comeback einer fantastischen Band.

1. BIG|BRAVE – nature morte

Einzigartige Platte von einer einzigartigen Band. Zwei Gitarren, ein Schlagzeug, eine zarte Stimme, die sich sanft auf den Zeitlupen-Metal-Lärm legt. Mit „Vital“ schon nahe an der Perfektion, hier wurde sie erreicht. Das Album bricht unvermittelt herein, hat einen sofort. Dann laut und leise, Tasy Hudson mit gefühlten zwei Schlägen pro Minute, Robin Wattie und Mathieu Ball lassen es dröhnen. Sound, der durch den gesamten Körper fährt, das lässt niemanden kalt. Trotz der permanenten Wiederholung auch variantenreich und mit einer sanften Brise Folk. Erschreckend und doch so wohltuend.