Review: Ty Segall – Deforming Lobes

Nicht nur eine simple Live-Platte: Ty Segall hat mit seiner Freedom Band seine alten Songs neu interpretiert.

Huch, es ist schon März und noch ist keine Ty Segall-Studio-Platte am Horizont. Wollen wir dem Kalifornier mal etwas Ruhe gönnen, schließlich war er vergangenes Jahr sehr produktiv. Wobei, eine neue Fuzz-Platte wäre schon schön.

Wie dem auch sei, 2018 veröffentlichte Ty Segall zusammen mit seiner Freedom Band das fantastische „Freedom’s Goblin“. Der Ansatz war so, dass jeder Song in verschiedenen Studios mehrmals aufgenommen wurde und man sich dann für eine Version entschied. Die Interpretationen waren dabei höchst unterschiedlich, wie etwa eine alternative Version von „Fanny Dog“ gezeigt hatte.

Eine ähnliche Idee verfolgt Segall nun mit dem Live-Album „Deforming Lobes“ (Drag City). Es ist ein Mitschnitt eines Konzerts aus dem Teragram Ballroom zu Los Angeles. Produzenten-Gott Steve Albini hat abgemischt.

„Freedom’s Goblin“ wird dabei überraschenderweise komplett ausgespart, dafür der Backkatalog bearbeitet. Das Ergebnis ist dann mehr ein Remake älterer Songs als ein bloßes Nachspielen.

Acht Songs sind enthalten. „Warm Hands“ macht den Anfang. Schon auf der 2017er Platte war das eine epische Jam-Rock-Nummer, hier klingt sie härter, euphorischer und wilder.

Es folgen zwei Tracks aus „Emotional Mugger“. Das Verfremdete und Noisige ist weg, „Squealer“ und „Breakfast Eggs“ wenden sich klar dem knackigen Punk zu. „The Crawler“ von „Manipulator“ streicht den Glam und wirkt grimmiger.

Der Live-Favorit schlechthin, „Finger“, wird hier endlos gedehnt, der Ausbruch wirkt erlösend. „They Told Me Too“ von „Twins“ ist noch am nahsten am Original, also peitschender Punk.

Segall verzichtet nie auf Cover. Hier ist es „Cherry Red“, bisher als B-Seite der „Spiders“-Single bekannt, im Original von den Groundhogs. Die Band jammt mit Blues im Herzen. Zum Ende dreht sie mit „Love Fuzz“ noch einmal gehörig auf, driftet ab, lässt es dann krachen.

Fazit: So ergibt das Live-Platten-Konzept wieder Sinn.

8.7

8.7/10
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