Review: The Ohsees – The Cool Death of Island Raiders (Alternates & Unreleased)

Als John Dwyer noch Freak Folk machte: Narnack Records bringt uns ein musikhistorisches Dokument nahe.

Es ist 2006: John Dwyer hatte gerade entschieden, sich vollkommen auf OCS zu konzentrieren. Die Namensfindung der Band war jedoch noch nicht ganz abgeschlossen. Das Duo Dwyer und Patrick Mullins experimentierte noch.

Mit dem Zugang von Brigid Dawson, die ein langjähriges Immer-mal-wieder-Mitglied werden sollte, veröffentlichte das Trio die Platte „The Cool Death of Island Raiders“ als The Ohsees. Später wurden sie zu The Oh Sees, dann Thee Oh Sees und mittlerweile firmieren sie unter Oh Sees.

Zu dieser Zeit war vom späteren wilden Garage Rock, der zuletzt gar in Metal umschwenkte, noch wenig zu merken. Vielmehr bestimmte Freak Folk und Ambient diese Platte. Von Kritikern wurde sie zerrissen.

Narnack Records startet nun einen neuen Anlauf, dieses Frühwerk beliebt zu machen. Das Label veröffentlicht die Platte erneut, mit dem Zusatz „Alternates & Unreleased“. Alle Songs des Originals liegen somit in alternativen Versionen, zudem gibt es bisher ungehörte Tracks.

Am Sound hat sich natürlich nichts geändert. Die Alternativversionen der bekannten Tracks hören sich zumeist etwas roher an und nehmen den Originalen etwas die Kanten. So wird etwa „Broken Stems“ noch etwas mystischer, „You Oughta Go Home“ ein wenig sanfter.

Dave Sitek und Kyp Malone von TV On The Radio haben an der Platte mitgearbeitet und damit hat dieser Release alleine schon musikhistorische Bedeutung. Wie bei TV On The Radio werden hier Strukturen erkannt und mit viel Enthusiasmus durchbrochen.

„I Agree“, ursprünglich von der „Grave Blockers“-EP, hat etwa eingängigen Folk als Grundlage. Durch das Pumpen und Stampfen wird der Song aber zu einem weirden Kuriosum. „Untitled Track #1“ ist sehr experimenteller Drone. „Untitled #2“ ist dann wieder entspannt und cool. Das unveröffentlichte „Sea of Love“ präsentiert sich zart und melodisch.

Auch ein historisches Dokument: Die Tripped out-Version von „The Dumb Drums“ mit Aaron Aites. Der mittlerweile verstorbene Musiker (u.a. in Iran) und Filmemacher (u.a. Regisseur der Norwegian-Black-Metal-Doku „Until the Light Takes Us“) liefert ein Soundexperiment ab, das den Zusatz „tripped out“ wirklich verdient hat.

Die Platte schließt mit der Acapella-Version von „Broken Stems“. Wenn man denkt, es könnte nicht merkwürdiger kommen, hat Dwyer immer noch einen Pfeil im Weirdo-Köcher.

Fazit: Vielleicht nicht die beste Platte, dennoch ein funkelndes Stück für jede Dwyer-Sammlung.

7.1

Fazit

7.1/10