Review: The Flaming Lips – American Head

Der Trip ist vorbei. Die Psych-Band aus Oklahoma ist leicht verkatert, sieht aber unheimlich klar.

In ihrer langen Bandgeschichte haben die Flaming Lips viele Wendungen vollführt. Geht man nach Jahrzehnten, waren etwa die 1990er die Suche nach dem Rock, die 2000er der Durchbruch mit abgefahrenen Space-Opern und in den 2010ern ging dann alles und nichts. Mit „Oczy Mlody“ wusste man nicht mehr so recht, was die Band aus Oklahoma jetzt genau will. Wieder zurück zu „Soft Bulletin“? Mehr Pop? Doch wieder Noise, wie auf „Embryonic“?

Das 2019er Kunstprojekt „King’s Mouth“ enthielt dann wieder Hoffnungsvolles, wurde von der fantastischen Zusammenarbeit mit Deap Vally als Deap Lips dieses Jahr bestätigt. Die haben sich wieder gefunden, da ist viel Klarheit.

Im Vorfeld wurde zum 16. Album der Flaming Lips, „American Head“ (Warner / Bella Union), berichtet, dass sie zurück auf der Erde seien. Tatsächlich haben wir es hier mit einem nostalgischen Rückblick zu tun, der sich deutlich an den großen Werken der Band orientiert.

Es ist der melancholische Konfetti-Rock, den wir seit Ende der 1990er von ihnen lieben. Die großen Gesten, das Epische, die vielen kleinen Spielereien, hier jedoch so fokussiert, wie seit eben dieser Zeit nicht mehr.

Thematisch geht es um Drogen, allerdings im negativen Sinne. Wayne Coyne und Kollegen blicken zurück. Wer hat es geschafft und wer nicht? Sie selbst sind Überlebende. Steven Drozd hat etwa eine Heroinsucht hinter sich. Er ist noch hier, andere nicht.

Zum Beispiel der Jugendfreund, der einen Dealer getötet hatte, im Gefängnis landete, sich dann umbrachte. Behandelt im zurückhaltenden „You N Me Sellin‘ Weed“. Oder nehmen wir „Flowers Of Neptune 6“, das aufzeigt, wie verschieden die Wege sein können. Hier, und auf zwei weiteren Tracks, taucht Kacey Musgraves auf, ein Pop-Star, wie ihn sich die Lips gerne als Gast einladen.

Richtig fantastisch ist ihr Duett mit Coyne auf „God And The Policeman“, aber auch das mystische „Watching The Lightbugs Glow“ weiß sie zu verzaubern.

„American Head“ handelt auch von Brüdern und Müttern, von den Sorgen und Nöten. Auf dem verträumten „At The Movies On Quaaludes“ verwischt die Realität, „Brother Eye“ gerät herzzerreißend. Den kindlichen Blick auf die Welt bewahrt sich die Band auf „Dinosaurs On The Mountain“. Hier sprüht es in allen Farben, während die restliche Platte sich eher zurücknimmt.

Fazit: Verzaubernd, mitnehmend, ein großes Werk der Flaming Lips-Diskografie.

8.9

8.9/10
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