Review: Ryley Walker – Deafman Glance

Der Psych-Folker zeigt sich auf seiner neuen Platte beinahe depressiv, mindestens verloren.

Anhören möchte Ryley Walker seine neue Platte nicht mehr, so ist es zumindest im Presstext zu seinem neuen Album zu lesen. Zu viel habe es ihm abverlangt. Ein Jahr hat der Aufnahmeprozess für „Deafman Glance“ (Dead Oceans) gedauert und sein Gehirn sei nun kaputt.

Der Psych-Folker beschreitet auf dem Release neue Wege. Inspiriert habe ihn Chicago, seine Heimatstadt. Er beschreibt dabei die dunklen Seiten der Stadt. Verlassene und verdreckte Straßen, die Eiseskälte im Winter, die Suche nach Drogen.

Tatsächlich ist Walker, wie er selbst sagt, erwachsen geworden. Alkohol und Drogen hat er beiseitegeschoben. Wir erleben einen sehr klaren Songwriter, der sehr ausgefeilte Songs erschaffen hat.

Die Songs sind meist sehr ruhig und reduziert, werden aber oft von unruhigen Parts unterbrochen. Es fühlt sich wie ein Road Trip an, bei dem die Monotonie der Straße jäh durch ein querendes Reh unterbrochen wird.

Verloren streifen wir durch „In Castle Dome“. „22 Day“ führt dann jazzige Nuancen ein und mündet im Chaos. „Accomodations“ fühlt sich wie ein Bad Trip an, ein purer Alptraum.

„Can’t Ask Why“ enthält sanfte Percussion und wird im Laufe rockiger. „Opposite Middle“ ist vielleicht die beschwingteste Nummer der Platte.

Das Herzstück bildet „Telluride Speed“, welches als Basis einen wundervollen Fluss mit verspielter Flöte hat. Dieser wird immer wieder unterbrochen durch eine herausfordernde Gitarre.

Kraftvoll singt Walker auf „Expired“, während er auf „Spoil With The Rest“ beinahe verloren im Hintergrund agiert, überlagert von Gitarrenschichten.

Fazit: Sehr reife, herausfordernde Platte.

7.6

Fazit

7.6/10