Review: Royal Trux – Platinum Tips + Ice Cream

Neil Hagerty und Jennifer Herrema interpretieren auf ihrem ersten Release als Royal Trux seit 17 Jahren alte Songs neu.

Platinum Tips + Ice Cream“ (Drag City) ist der erste Release der Noise-Rocker Royal Trux seit 17 Jahren. Neue Songs sind darauf nicht enthalten. Es ist vielmehr ein Live-Album, das die Energie der Reunion-Tour einfangen soll. Die Aufnahmen stammen von Konzerten in Los Angeles und New York. Die Songauswahl erstreckt sich über die gesamte Wirkungsspanne, lediglich das Virgin-Album „Sweet Sixteen“ wird ausgespart.

Das kann auch daran liegen, dass dies künstlerisch sicher komplizierte Jahre waren. Royal Trux waren zuvor auf Drag City und so Underground, wie man nur sein kann. Ihre Songs waren pure Anarchie, geschissen haben sie sich eh nie was. Wie so viele Majorlabels Anfang der Neunziger wollte sich Virgin mit Outsidern schmücken und zerschellte daran.

Royal Trux machten weiter, lieferten noch drei weitere Alben für Drag City ab, bis dann 2000 Schluss war. 2015 gab es die Reunion und seitdem weitere spärliche Konzerte. Live scheint es wieder zu funktionieren, ob aber jemals wieder ein reguläres Studioalbum kommt, ist zu bezweifeln.

Wie dem auch sei, „Platinum Tips + Ice Cream“ genügt vorerst, um die Fans glücklich zu stimmen. Die Aufnahmen klingen sehr satt, die Fuzz-Gitarre von Hagerty schreddert toll dahin, der zweistimmige Gesang klingt mal aufpeitschend mal gelangweilt.

„Junkie Nurse“ (Untitled, 1992) wird zum wilden Punk-Stomper. Das experimentellere „Red Tiger“ (Single, 1992) erhält ein Fuck-You-Update und wird deutlich hingerotzter vorgetragen. Fast schon hymnisch kommt „Mercury“ (Single, 1994) daher. „Esso Dame“ (dto., 1988) tut das Fuzz-Make-Up besonders gut. Die jüngeren Songs, sprich die aus der zweiten Drag City-Periode, bleiben nahe am Original, klingen nur etwas dreckiger und direkter.

Fazit: Den alten Songs tut die neue Politur gut. Insgesamt eine tolle Werkschau.