Review: Pontiak – Dialectic of Ignorance

Drei Brüder entschleunigen sich und hauen mal eben das beste und ehrlichste Psych-Rock-Album seit ewig raus.

Wenn die Brüder Jennings, Van und Lain Carney auf ihrer Farm in Virginia ihr Tagewerk erledigt haben, setzen sie sich an ihre Instrumente und fabrizieren als Pontiak einen wuchtigen Desert-Rock-Sound. Die Carneys haben so einen beachtlichen Output abgeliefert: 7 Alben und diverse EPs stehen in der Discografie. Mit „Dialectic of Ignorance“ (Thrill Jockey) haben sie nun einen achten Longplayer veröffentlicht.

Darauf entfernen sich Pontiak etwas von ihren letzten Platten. Zuvor war da Fuzz und Wüste, allerdings doch mehr Punk und nach mindestens drei Minuten war die Band mit dem Song fertig. Der Sound wirkte etwas überhastet. Auf „Dialectic of Ignorance“ lässt man sich nun viel mehr Zeit, nur zwei Songs sind unter der 5-Minuten-Marke.

Die Lieder sind wiedererkennbar Pontiak, liegen aber am ehesten beim 2011er-Release „Comecrudos“, einer verschroben rockenden Soundtrack-Skizze. Sie fügen sich zu einem fantastisch wuchtigen Album, das zu den ganz großen Releases in Sachen Psych Rock gehört.

Der Einstieg gerät mit „Easy Does It“ zu einem Reverb-Trip. Dichte Gitarrenwände werden von einem halligen Gesang durchschnitten. „Ignorance Makes Me High“ zeigt einen bedrohlichen Bass, der dann von Desert-Rock-Gitarren ergänzt wird. „Tomorrow is Forgetting“ ist ein Groove-Monster und ein echter Hit. Etwas ruhiger und orchestraler wird es auf „Hidden Prettiness“. Und bei „Herb Is My Next Door Neighbor“ taucht dann überdeutlich die Band auf, die man eigentlich immer im Hinterkopf hatte: Ja, das klingt doch voll nach Sleep.

Das gesamte Album ist von hartem, ehrlichem Rock bestimmt, dem ein wahnsinniges Talent für Songwriting zugrunde liegt. Null Rockstar-Gehabe, 100 Prozent Bodenständigkeit.

Fazit: Das wohl beste Psych-Desert-Rock-Album seit langer Zeit, vielleicht seit Sleep’s Dopesmoker.