Review: Pissed Jeans – Why Love Now

Die Band aus Philadelphia wahrt auf dem fünften Album Qualitäten und fügt neue Komponenten hinzu. Das resultiert in einem großartigen Album.

Kann man sagen: Pissed Jeans ist die beste Hobby-Band der Welt. Alle Beteiligten haben Fulltime-Jobs, die Band wird in der Freizeit ausgeübt. Sänger Matt Korvette arbeitet etwa für eine Versicherung. Der wütende Noise-Punk-Sound von Pissed Jeans und ihre intelligent humorvollen Texte kommen also von vier Jungs, die mitten im Leben stehen und nicht von einer abgeranzten Couch heraus arbeiten. Das ist wichtig, um die Band zu verstehen.

Auf ihrem fünften Album „Why Love Now“ (Sub Pop) kann man daher Gesellschaftskritik suchen und finden. Oder man begreift die Platte aus Slacker-Sicht mit „mir egal“-Attitüde. Der Pissed Jeans-Kosmos ist für alle Interpretationen offen, auf „Trump hat das erst möglich gemacht“-Aussagen kann man verzichten. „Why Love Now“ wurde von Noise-Gott Arthur Rizk und No Wave-Ikone Lydia Lunch produziert. Das Ergebnis klingt nach klassischem Pissed Jeans mit etwas mehr Wut.

Denn schon der Einstiegstrack fällt etwas aus dem Rahmen. Korvette spuckt einen Essay über reduzierte Instrumentierung in die Welt hinaus. Ein wahnsinnig intensives Stück, das man so noch nicht von der Band kannte. Weiter geht es mit dem Bass getriebenen „The Bar is Low“ und dem Hardcore-Stück „Ignorecam“. Spätestens jetzt sollten Fans zufrieden sein.

Ansonsten stechen neben den klassischen Noise-Punk-Stücken das mit Doom-Versatzstücken arbeitende „It’s Your Knees“ und das Spoken-Word-Stück „I’m a Man“ heraus. Bei Letzterem gibt Korvette das Mikro an die Essayistin Lindsay Hunter ab, die sich den sexistischen Mann zurechtrückt.

Fazit: Wütendes Noise-Punk-Album in der Tradition von 80er-Jahre-Hardcore. Attitüde, Humor, Anprangerung – begleitet von fantastischer harter Rock-Musik.