Review: Oh Sees – Smote Reverser

Alles neu macht der John Dwyer: Dieses Mal steuert der Oh Sees-Frontman seine Crew in proggige Gefilde.

Letztes Jahr etablierten die Oh Sees mit ihrem doppelt besetzten Schlagzeug ihr aktuelles Line-Up. Was dann auf „Orc“ passierte war fantastischer Garage Rock in epischer Breite. Wird schwer sein, das zu wiederholen. John Dwyer und Band schicken sich mit „Smote Reverser“ (Castle Face Records) dennoch an.

Wiederholung ist aber offensichtlich etwas, was Dwyer nicht so schätzt. So hat sich der Sound seiner Band von Platte zu Platte weiterentwickelt. Vom Freak Folk zum Garage Rock zum Psych Rock und dann war irgendwann auch Metal dran. Was gibt es dieses Mal?

Das übermächtige Monster auf dem Cover kündigt wieder schwere Gitarren an. Das Gegenteil ist der Fall. Leichtfüßig arbeiten sich die Oh Sees in Richtung Prog Rock vor. Der Afrobeat ist ebenso großes Thema. Thomas Dolas (u.a. Froth, JJUUJJUU) sorgt hierbei am Wurlitzer Piano und an der Orgel für tolle Akzenten.

Die mächtige Rhythmusfraktion, bestehend aus Dan Rincon und Paul Quattrone an den Drums sowie Tim Hellman am Bass, bildet die Grundlage. Dwyer darf darüber experimentieren und abschweifen.

Die erste Hälfte des Albums ist wirklich fantastisch geworden. „Sentient Oona“ beginnt atemlos, „Enrique El Cobrador“ bietet einen knarzenden Bass und legt die Brücke zum Prog Rock. „C“ ist cool und lässig, mit „Overthrown“ gibt es einen heftigen Metal-Ausflug.

Dann führt „Last Peace“ durch die Oh Sees-Geschichte. Brigid Dawson bildet mit Dwyer wie schon zu Beginn der Band das Gesangsduo. Wir erhalten alle Phasen, kompakt auf sieben Minuten gepresst. Nach dem entspannten Rocker „Moon Bog“ fällt die Platte dann aber leider etwas ab.

„Anthemic Aggressor“ ist ein zwölf Minuten langer spaciger Jam, der aber keine Highlights bietet. „Abysmal Urn“ ist wendiger Garage Rock, da gab es aber auch schon bessere Versuche. Dafür ist „Nail House Needle Boys“ mit seinem packenden Groove der wohl beste Track der Platte.

Fazit: Wieder sehr starke Platte. Es fehlt aber der eine Kracher, der für immer im Ohr bleibt.

8.5

Fazit

8.5/10