Review: Oh Sees – Orc

Wo gab es das schon mal, dass das 19. Album einer Band ihr bestes ist?

Das erste Album als Oh Sees stellt für die Band um John Dwyer ein Neubeginn dar. Die Besetzung hat sich nun gefunden. Sie besteht jetzt aus Tim Hellmann (Bassist, seit „Mutilator Defeated At Last“ dabei) sowie Paul Quattrone (zuletzt bei !!!) und Dan Rincon (seit „A Weird Exits“) an den Drums. Dwyer steuert nach wie vor Gesang und Gitarre bei.

Was als Live-Line-Up schon sehr gut passt, sollte nun auch auf Platte funktionieren. Kurzes Fazit: Es tut es. Ein paar der verwendeten Motive kennt man schon aus dem Doppelschlag „A Weird Exits“/“An Odd Entrances“, dennoch ist das hier so gut dargebracht, wie noch nie zuvor. Waren die genannten Alben zweifellos mit guten Ideen versehen, wirkten sie dennoch etwas zusammengestückelt. Auf „Orc“ (Castle Face Records) ist das nun wie aus einem Guß.

Mit dem bereits 19. Album ist nun eine klare Abkehr vom surfigen Garage Rock vollzogen. Die hatte sich schon seit dem Neustart 2015 und „Mutilator Defeated At Last“ angekündigt. Die Band tendiert nun zu luftigeren Sounds, ist aber auch gewillt die Hardrock-Axt zu schwingen.

Zu hören gleich bei der Einstiegsnummer, „The Static God“. Ein sehr wuchtiger Auftakt, der einem Noise-Gewitter gleicht, kurz ein paar klassische Oh-Sees-Breaks einwebt, prinzipiell dem Hörer aber gleich mal den Boden unter den Füßen wegzieht. Brutales gibt es dann noch einmal mit „Animated Violence“, das sich dem Doom verschrieben hat und Dwyer mit Metal-Shouts experimentieren lässt.

Ansonsten bekommen wir leichtfüßige und verspielte Tracks. Diese weisen eine wahnsinnige Tiefe und Detailliertheit auf. Es ist eine wahre Freude, wenn der vermeintlich bekannte Sound auf „Keys to the Castle“ dann plötzlich in eine acht Minuten lange Krautrock-Nummer umbricht.

„Nite Expo“ rückt den Synthie in den Vordergrund, der sich auch auf „Paranoise“ austoben darf. Gegen Ende des Albums erlebt man die Band dann in absoluter Höchstform. „Cooling Tower“ ist fast schon loungig, dann melden sich kurz Garage-Rock-Riffs. „Drowned Beast“ gibt sich mystisch und fuzzig, beinahe eine kleine Oper innerhalb des Albums. Mit „Raw Optics“ bekommen wir eine Ouvertüre, die uns fassungslos zurücklässt.

Fazit: Fantastisches Album voller toller Ideen in einer wahnsinnigen Spielfreude dargebracht. Im 20. Jahr erleben wir die besten Oh Sees, die es je gab.