Review: Oh Sees – Face Stabber

Die Kalifornier können sich eh alles erlauben.

Die Oh Sees sind in ihrer aktuellen Besetzung dort angekommen, wo sie hinwollen. Das spürt man auf dem neuen Album „Face Stabber“ (Castle Face) sehr deutlich. Begonnen hat die Reise 2017 mit „Orc“, das noch viel Garage Psych, aber schon etwas mehr ausufernden Prog anbot. Man driftete weiter mit „Smote Reverser“ ab und verfällt nun dem Wahnsinn auf „Face Stabber“.

Ein Song heißt „The Experimenter“ und Experimente gibt es auf diesem sehr langen Doppelalbum zuhauf. Der Moshpit wird geschlossen, wir versammeln uns im Sitzkreis und hören aufmerksam zu.

Nehmen wir uns kurz die Big 3 des Psych/Garage Rock vor, sehen wir viele Versuche. Ty Segall lässt auf „First Taste“ die Gitarre weg, King Gizzard & The Lizard Wizard mutieren auf „Infest the Rats‘ Nest“ zur Thrash Metal-Band.

Man will Neues anbieten, verständlich. Und es ist an uns, uns daran zu gewöhnen. Wobei die Oh Sees schon immer ständigen Veränderungen unterworfen sind. Man rufe sich nur einmal die Werke als OCS in Erinnerung. Als Fan ist man also auf alles vorbereitet.

Nur 100% damit zufrieden muss man nicht sein. So hinterlässt „Face Stabber“ einen Mischmasch-Eindruck. Da gibt es zwei harte Metal Punk-Nummern („Gholü“, „Heart Worm“), wuchtigen Garage Rock mit dem Titeltrack und eine blubbernde Ambient-Arbeit („Captain Loosely“).

Zwei ewig lange, eher entspannte Jams werden mit „Scutum & Scorpius“ und „Henchlock“ angeboten und stellenweise ist da sehr viel Obskures. Gleich zu Beginn läutet etwas einen Beat ein, das wie eine Quietscheente klingt.

Dann steht man mit einem Fuß im Okkult-Metal („Psy-Ops Dispatch“) oder spielt den Rock sehr frei („Fu Xi“). Was bleibt wirklich hängen? „Snickersnee“ ist ein cooler Protestsong, verpackt in wabernden Psych. Den bitte auf die Live-Setlist.

Fazit: Kaum in einem Stück zu hören, dennoch große Kunst.

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