Review: Mudhoney – Digital Garbage

Die alten Herren des Grunge zeigen sich zu ihrem 30. Geburtstag am Puls der Zeit.

Social Media, Waffen, die Naziaufmärsche in Charlottesville – Mudhoney setzen sich auf ihrem neuen Album mit aktuellen Themen auseinander. „Digital Garbage“ (Sub Pop) heißt der Nachfolger zum 2013 „Vanishing Point“. Der Name entstammt dem Song „Kill Yourself Live“, einer Kritik an der Entblößung auf Facebook.

Ganz so wegweisend ist die neue Platte von Mudhoney nicht mehr. Als sie 1988 „Touch Me, I’m Sick“ den Seattle-Sound begründeten, waren sie in aller Munde. Mittlerweile ist es die Band, die zwar am längsten aktiv ist, aber weiterhin nur Kennern bekannt ist.

Die Songs auf „Digital Garbage“ haben nichts von der ursprünglichen Räudigkeit und Power eingebüßt. Stoisch schütteln sie Hymnen aus dem Handgelenk, die Gitarre schwirrt dahin, während die Drums stoisch arbeiten.

„Nerve Attack“ schiebt zum Einstieg gut an. Dann folgt das unbarmherzig punkige „Paranoid Core“. „We’d rather die in church“ heißt es auf dem hymnischen „Please Mr. Gunman“. Ein Zitat, das im Rahmen einer Schießerei fiel, das hier sehr strapaziert und damit umso unnötiger wird.

„Night and Fog“ ist bedrohlich und heftig. Mit dem kantigen „21st Century Pharisees“ nimmt man sich die Religionen vor, „Prosperity Gospel“ skandiert hitverdächtig „get rich, you win“.

„Next Mass Extinction“ ist wuchtig und schräg. Die Platte endet mit dem famosen „Oh Yeah“, einem Scheiß-Drauf-Track, der auch mal sein muss.

Fazit: Sie können es noch.

8.3

Fazit

8.3/10