Review: Melvins – A Walk With Love & Death

Die Melvins fügen ihrer Diskografie das erste Doppelalbum hinzu. Den klassischen Melvins-Sound gibt es jedoch nur auf Teil 1 zu hören.

Seit 1983 haben die Melvins so ziemlich alles gemacht, was man als Band so tun kann: Zum Beispiel unzählige Platten aufnehmen, hintereinander in allen 50 US-Bundesstaaten spielen, zahlreiche Kollaborationen eingehen. Was sie nicht getan haben: ein Doppelalbum veröffentlichen. Das ändert sich nun mit „A Walk With Love & Death“ (Ipecac).

Wobei streng genommen nur die erste Hälfte ein „richtiges“ Melvins-Album darstellt. Die nennt sich „Death“ und bietet tollen wuchtigen Rock, der dieses Mal etwas weniger sludgig, dafür etwas psychiger ausfällt. Die Melvins 2017 bestehen aus Buzz Osborne, Dale Crover und Steve McDonald von Redd Kross. McDonald bringt dabei etwas mehr Leichtigkeit in den Sound. Die Gästeliste besteht aus Joey Santiago (The Pixies), Teri Gender Bender (Le Butcherettes/Crystal Fairy) und Anna Waronker (That Dog),

Zu hören ist die Freshness etwa auf „What’s Wrong With You“, mit Waronker. McDonald singt über einen leicht hymnischen, sehr sonnig punkigen Song. Dennoch dominiert auf „Death“ die düstere Grundstimmung, die leicht verstörend wirkt. „You’ll sleep with the lights on after listening“, verspricht etwa Crover. Und ja, „Black Heath“ und „Sober-delic“ sind zwar zurückhaltend, aber auch ungemein bedrohlich. Klassische Melvins-Songs gibt es mit „Edgar The Elephant“ und „Flaming Creature“. Die Tracks zeigen: Auch wenn sich die Melvins immer treu bleiben, langweilen tun sie nicht.

Die zweite Hälfte „Love“ soll der Soundtrack zu einem Kurzfilm eines gewissen Jesse Nieminen sein, der ebenfalls „A Walk With Love & Death“ heißen soll. Finden tut man über diesen Herrn nichts, wäre nicht verwunderlich, wenn weder Mensch noch Film existieren würden.

„Love“ besteht hauptsächlich aus Sprachfetzen, Soundexperimenten und Geräuschen. „Give It To Me“ ist der einzige, „richtige“ Song. Sehr experimentell und schräg geht es dabei zu.

Fazit: Schlechte Melvins-Alben gibt es nicht und so ist auch das neue Werk eben fantastisch. Die „Death“-Seite zeigt die Band in Bestform, die „Love“-Seite ist für Liebhaber experimenteller Klänge.