Review: M. Caye Castagnetto – Leap Second

Lateinamerikanischer Folk, verfremdet und zerlegt. Oder: Nico verliert sich im unheimlichen Dschungel.

M. Caye Castagnetto, in Peru geboren und aktuell in Los Angeles beheimatet, saß sehr lange an ihrem Debütalbum. Fünf Jahre schraubte sie mit diversen Musikern an „Leap Second“ (Castle Face). Das Album besticht folgerichtig durch eine unglaubliche Detailverliebtheit und ist voller Wendungen. Eine Kategorisierung ist unmöglich.

Man findet Elemente der lateinamerikanischen Folklore wieder, hat es aber auch mit Elektro-Beats und Sample-Experimenten zu tun. Ein wundervolles Durcheinander aus psychedelischen Klängen, so die Kurzfassung.

„I Invented Disco“ gibt Castagnetto auf dem Opener bekannt. Tatsächlich dauert es lange, bis sie das unter Beweis stellt. Allerdings kommen wir da erstmals in den Genuss ihres prägnanten Gesangs, der etwas an Nico erinnert. Zu Dschungel-Vibes driftet sie ab.

Die Disco erfindet sie mit „Street Trees, Evening Green“. Dazwischen: Sample-Irrsinn, teils sehr experimentell, immer deutlich spürbar. Auf „Mi Mentira“ pumpt es sanft, Klavier und Streicher sind einsam, dann wird einfach alles überrollt.

Fantastisch ist „Hands on the Business“, das einen fluffigen Beat mit schroffem Gesang verbindet. Auch toll: Das aufwühlende „Chase Water, Blue Moon“, das plötzlich in angenehmen Bedroom Pop kippt. „All Points North“ ist gediegen verhuscht, „Amor Cabra“ dafür wilder. Alle Songs haben gemein, dass sie klare Bilder vor die inneren Augen bringen.

Fazit: Ein Erlebnis.

8.9

8.9/10
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