Review: King Tuff – The Other

Kyle Thomas verabschiedet sich auf seinem neuen Album von seiner Verkleidung als Party Monster.

Wilde Zeiten liegen hinter Kyle Thomas aka King Tuff. Nach dem 2014er Release „Black Moon Spell“ ging er lange auf Tour. Dann schloss er sich den Muggers um Ty Segall an. Es folgte wieder eine ausufernde Zeit auf der Straße. Zurück in Los Angeles war Thomas völlig ausgebrannt und orientierungslos.

Seine On-Stage-Persönlichkeit des Party Monster King Tuff passte nicht mehr mit seinem privaten Ich zusammen. Jeder wollte ihn auf ein Bier einladen, dabei trinkt er keinen Alkohol und nimmt keine Drogen. Es folgte eine Phase der Selbstfindung, die nun mit der neuen Platte „The Other“ (Sub Pop) abgeschlossen ist.

Darauf zeigt sich King Tuff von einer völlig neuen Seite. Der breitbeinige Garage Rock ist zartem, oft groovigem Psych Folk gewichen, der gerne funky Momente aufweist. Die Texte sind persönlicher, zeigen einen zurückhaltenden Menschen.

Das Album hat King Tuff im Alleingang eingespielt und produziert. Nur für die Drums und das Saxofon holte er sich Hilfe. Zudem ließ er einige Gäste Background-Vocals einsingen. Die Teilnehmerliste ist dabei sehr prominent.

Greta Morgan (Gold Motel), Jenny Lewis und Kevin Morby singen, Charles Moothart und Ty Segall sitzen am Schlagzeug und Mikal Cronin bedient, natürlich, das Saxofon.

Auch wenn die Rock-Party abgesagt ist, die Stücke sind großteils tanzbar. „Psycho Star“ ist ein Hit, der ungeheuer eingängig 70ies Disco zitiert. Morgan und Lewis sind im Background, Segall legt die Drums sehr mitreißend an. Auf „Ultraviolet“ erhalten wir ein einziges Mal große Rock-Gesten. Wir hätten sie gar nicht vermisst.

Wie gerne haben wir den sanften King Tuff auf dem eröffnenden sechs Minuten langen Titeltrack. Sein Synthie und seine Gitarre, mehr braucht es nicht, um zu berühren. „Raindrop Blue“ entfesselt dann das Saxofon, Segall treibt am Schlagzeug an, der Track hat einen leichten Classic Rock-Touch und ist einfach nur fantastisch.

Mit „Infinite Mile“ gehen wir in Richtung Weird Folk. Großmeister Morby singt mit, der Song ist schräg, dennoch beschwingt. Hymnisch wird es mit „Birds of Paradise“, „Circuits In The Sand“ bietet erneut Psych Folk der melodischen Art.

„Neverending Sunshine“ basiert auf tollen Synthies, ist insgesamt eher zurückhaltend und sehr ausgefeilt. Mit dem abschließenden „No Man’s Land“ kehren wir zurück zum nachdenklichen King Tuff. Ein Ausklang, der zu Tränen rührt.

Fazit: Ein Meisterwerk!

 

9.1

Fazit

9.1/10