Review: King Gizzard and the Lizard Wizard – Flying Microtonal Banana

Die Australier drehen auf ihrem neuen Album an der Freak-Schraube. So abgefahren „Flying Microtonal Banana“ auch ist, so wundervoll klingt es.

King Gizzard and the Lizard Wizard haben für 2017 folgenden Plan: Fünf Alben sollen veröffentlicht werden. Das erste Werk der Psych-Rocker liegt jetzt mit „Flying Microtonal Banana“ vor. Zerlegen wir mal den Albumtitel.

  • „Microtonal“: Beginnen wir in der Mitte. Microtonal oder Mikrotonale Musik arbeitet laut Wikipedia mit „Intervallen, die kleiner als ein Halbtonabstand sind“. Die Band hat sich für dieses Album mit Instrumenten ausgestattet, die dies erzeugen können.
  • „Flying“: Vielleicht abgehoben, aber nicht im negativen Sinne. Musik, die über den Wolken schwebt, eventuell.
  • „Banana“: Ja, völlig Banane halt, aus dem Konzept der mikrotonalen Musik ein Rock-Album zu machen.

Es ist wieder ein Konzeptalbum geworden und ein Freak-Statement. Dieses Mal wurde Musik aufs Band gebracht, die mit Tönen arbeitet, wie sie in der Pop- und Rock-Musik vollkommen unüblich sind. Zuvor hatten wir schon das Infinite-Loop-Album („Nonagon Infinity“) und die Platte, auf der jeder Song gleich lang ist („Quarters!“). Langeweile sollte für King Gizzard-Fans also nicht aufkommen. Doch ist die neue Platte überhaupt hörbar?

„Rattlesnake, Rattlesnake, Rattlesnake“ (100x)

Beim ersten Durchlauf ist „Flying Microtonal Banana“ tatsächlich irgendwie anstrengend. Die Songs sind zwar nicht noisy und eher nicht atonal, doch nach 20 Minuten stellt sich eine gewisse Überreizung ein. Scheint so, als ob man unbewusst zu heftig mit der Verarbeitung der Musik zu tun hat.

Wirklich anstrengend ist nur der Einstieg. „Rattelsnake“ geht über 7 Minuten, biegt immer wieder in unterschiedliche spacige Gefilde ab und bleibt nie an einer Stelle stehen. Dazu wird gefühlte hundert Mal das Wort „Rattlesnake“gerufen. Mit „Melting“ wird es etwas gemütlicher. Man fühlt sich an Krautrock erinnert, möglicherweise an gemäßigte Can. „Open Water“ und „Sleep Drifter“ docken an Led Zeppelin an und schrauben noch einige Verzierungen dran. Mit „Anoxia“ erhält man sogar einen relativ straighten Rocker, mit „Doom City“ einen wuchtigen Song.

Insgesamt sind die 40 Minuten sehr verträumt, mit unterschiedlichen Einflüssen versehen und auf komische Art ungeheuer herausfordernd. Mal ist Afrobeat mit drin, dann asiatische Musik, dann wieder Seventies Rock. Mit Sicherheit das unentspannteste Psych-Rock-Album seit immer.

Fazit: Space Rock from outer Space für Kenner. Wem die Durchschnittsware zu langweilig geworden ist, findet hier die Doktorarbeit in Sachen Psych.