Review: Kevin Morby – Sundowner

Wir tauchen ein in den Mittleren Westen der USA. Eine rührende, hervorragende Platte.

Auf dem 2019er „Oh My God“ hatte Kevin Morby zu einem großen Werk über Spiritualität ausgeholt. Die Songs waren gewissenhaft konstruiert, reduziert, aber gewaltig. Seine neueste Platte führte den Folk-Rocker zurück in den Mittleren Westen der USA.

Sundowner“ (Dead Oceans) entstand sehr schnell, erhielt seinen letzten Schliff in der Isolation. Geschrieben hat Morby das Album in Kansas City, Kansas, seiner Heimatstadt, die seit drei Jahren wieder sein Zuhause ist. Zuvor Los Angeles, nun der Mittlere Westen.

Morby beschreibt auf „Sundowner“ seine alte, neue Gegend. Die nicht immer auf den ersten Blick sichtbare Schönheit. Hier wird noch geraucht, man begrüßt den Sonnenuntergang auf der Veranda, versinkt dabei in Melancholie. Der Tod wird beschrieben. „I wish my friends were still alive“ heißt es etwa auf dem intensiven „Jamie“.

Eingespielt hat Morby die Platte im Alleingang. Brad Cook stieß später hinzu, James Krivchenia sorgte für Percussions. Seine Freundin Katie Crutchfield (Waxahatchee), mittlerweile bei Morby wohnhaft, steuerte Vocals bei, beschwört uns etwa auf dem wunderschönen „Campfire“.

„Sundowner“ ist die Platte, die man sich schon länger von Morby gewünscht hatte. Eine gefühlvolle, persönliche Folk-Platte mit einfachen und umittelbaren Songs.

Tolle Erzählstücke, wie „Brother, Sister“, stehen neben wundervollen Nummern, wie „Valley“. Morby tritt mit reduzierter Instrumentierung auf, die Stimme ist nah am Ohr. „Wander“ fällt etwas roher aus, ansonsten gleiten die Songs gemächlich dahin.

So schön ist der Titeltrack, so intensiv „Don’t Underestimate Midwest American Sun“. Gegen Ende erhalten wir mit „Velvet Highway“ ein dramatisches Instrumental-Stück, das etwas Rituelles hat. „Provisions“ schließt dann fantastisch ab.

Fazit: Herbstliches Album, für melancholische Stunden.

8.9

8.9/10
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