Review: IDLES – Ultra Mono

Pop-Gäste, Hip Hop-Produzenten an Bord: Sind die Punks aus Bristol noch Punk?

Sind die IDLES nun real? Die Sleaford Mods und die Fat White Family glauben es nicht, sind der Meinung, dass die Band aus Bristol sich den Working-Class-Mantel als Gimmick umhängt. Wie dem auch sei, die IDLES haben mit „Ultra Mono“ (Partisan) eine neue Platte und die hören wir uns nun an.

Es ist das dritte Album der Punks, die recht rasch die Welt erobert hatten, spätestens mit dem 2018er „Joy as an Act of Resistance„. Dem Pressetext entnehmen wir, dass „Ultra Mono“ in etwa wie ein Hip Hop-Album konstruiert sei. Da ergibt natürlich auch die Verpflichtung von Kenny Beats Sinn.

Wie es sich für ein Hip Hop-Album gehört, sind viele Gäste dabei. Eine illustre Runde, die etwa den Saxofonisten Colin Webster, The Jesus Lizard-Frontman David Yow, Nick Cave-Freund Warren Ellis und Jehnny Beth beheimatet. Und dann wäre da noch Pop-Sänger Jamie Cullum, der aber lediglich „Kill Them With Kindness“ mit sanften Klavierklängen einleiten darf. Ansonsten gestaltet sich die Nummer als der räudige, harte Punk, den wir von den IDLES kennen.

Die Platte ist fett produziert, das klingt alles sehr satt. Das steht etwas im Widerspruch zur Attitüde der IDLES. Keine Straßenhunde, die mit dem billigsten Equipment ihre Parolen auf Band pressen wollen. Rockstars eher, die auf dem Line-Up-Poster der großen Festivals in die oberen Reihen schielen.

Die Working Class wird natürlich thematisiert, das Gefangensein im Hamsterrad, die Aussichtslosigkeit. Zusammen mit Jehnny Beth behandelt man auf „Ne Touche Pas Moi“ zudem Consent und Freiraum.

Und was ist mit dem angekündigten Hip Hop? Vielleicht auf „Grounds“, das den Sleaford Mods schon sehr nahe kommt. Ansonsten zieht der Punk mal hart noisig, dann wieder straight durch. David Yow sorgt für Hintergrundgeschrei, Colin Webster streut sein Saxofon ein, am schönsten auf dem kurz zum Industrial schwenkenden „Reigns“.

Ansonsten: „War“ ist schon recht gut und eindringlich. „Model Village“ groovet schön und „Anxiety“ geht auch in Ordnung. Ist halt viel zu viel Lametta dran an diesen Songs.

Fazit: Dicke Hose-Rock…die Limp Bizkit des Straßenpunks?

7.3

7.3/10
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