Review: 13th Floor Elevators – Easter Everywhere

Zum 50-jährigen Jubiläum haben wir uns die zweite Platte der 13th Floor Elevators noch einmal angehört.

1967 waren die 13th Floor Elevators bereits am Boden, kaum zwei Jahre nach der Gründung. Bassist Ronnie Leatherman und Drummer John Ike Walton hatten die Band verlassen. Grund waren Streitereien mit dem Label International Artists. Auch der anhaltende Drogenkonsum, angetrieben durch Texter und Jug Player Tommy Hall, war ihnen zuviel. Ein Ausflug nach San Francisco, der zur Eroberung der Westküste dienen sollte, endete in einem Desaster. Die Polizeihubschrauber kreisten zudem über der Band und hatten die Elevators als Exempel im Kampf gegen den Drogenkonsum ausgemacht.

Versessenheit und Paranoia

Es herrschte Paranoia. Dazu kam eine Abspaltung innerhalb der verbliebenen Mitglieder. Sänger Roky Erickson und Hall bildeten das eine Lager, im anderen befand sich Gitarrist Stacy Sutherland. Hall war versessen, seine Weltanschauung in immer kompliziert werdende Texte zu packen. Das führte dazu, dass Erickson große Mühe hatte, die Lyrics zu singen, vor allem da sich diese von Session zu Session veränderten.

International Artists gierte nach dem Erfolg der „The Psychedelic Sounds of…“-Platte nach einem neuen Longplayer. Die Elevators hatten bereits ein paar Songs im Kasten, diese reichten aber noch nicht für ein vollständiges Album. Sie zogen sich daraufhin aufs texanische Land zurück, auf eine abgelegene Farm und starteten den Songwriting-Prozess. Zur Band stießen Dan Galindo (Bass) und Danny Thomas (Drums).

Spoken Word auf Psych-Teppich

Die Aufnahmen wurden in die Nacht verlegt, denn die Band beharrte darauf, unter dem Einfluss von LSD aufzunehmen. Die Elevators wollten das perfekte psychedelische Album erschaffen und verließen sich dabei auf die Droge. Natürlich behinderte das LSD die Fertigstellung und umso verwunderlicher ist das Ergebnis.

„Easter Everywhere“ war für die damaligen Plattenspieler konzipiert, die den Tonabnehmer nach Ende der Platte wieder in die Anfangsrille setzten. Beide Seiten der LP sollten als Infinite Loop funktionieren. Ein Konzeptalbum, das trotz des Mosaikcharakters funktioniert.

Das nächste Wagnis war, mit einem knapp acht Minuten langen Track einzusteigen. „Slip Inside This House“ ist mittlerweile ein Klassiker, war damals aber sicherlich für viele Hörer leicht verstörend. Ericksons Gesang ist mehr Spoken-Word-Performance, die Jug ist weit im Vordergrund und dem flächigen Sound entgegen gesetzt. Schon hier fällt die Dominanz der Jug auf, die zuvor noch ein nettes Gimmick war. Ein weiterer Versuch Halls, sich in den Vordergrund zu drängen. Dies war auch mit ein Grund für die Streitereien mit Sutherland, der die Jug als überbewertet ansah.

Vertrippt und folkig

„She Lives (In a Time of Her Own)“ ist, genauso wie „Levitation“, noch mit Walton und Leatherman entstanden. Ein konventionellerer Psych-Song, der die Qualitäten der Elevators für vertrippte Sounds zeigt. „Nobody To Love“ stammt von Stacy Sutherland und ist ebenfalls traditioneller angelegt. Die Liebe zu Byrds und Beatles schimmert hier durch und der Wunsch, mainstreamiger zu sein.

Mit dem Bob Dylan-Cover „It’s All Over Now, Baby Blue“ endet die A-Seite. Hier zeigt Roky, was er gesanglich so kann. Eine sehr gefühlvolle, verletztliche Interpretation, ganz ohne Jug.

Das Ende

Die B-Seite beginnt mit „Earthquake“ und „Dust“ zwei klassischen, textlastigen Hall-Nummern. „I’ve Got Levitation“ wurde als Hit-Single erdacht und sollte den Erfolg von „You’re Gonna Miss Me“ bestätigen. Was sie nicht tat, dennoch kann man „Levitation“ heute ebenso als Klassiker definieren. „I Had To Tell You“ ist eine folkige Kooperation mit Clementine Hall, der Ehefrau von Tommy. Die Platte endet mit dem Motown beeinflussten „Postures (Leave Your Body Behind)“. Wie der Einstieg ist auch das Ende des Albums sehr episch gehalten.

„Easter Everywhere“ ist keine Platte aus einem Guss, dennoch ein Meisterwerk, dass erahnen lässt, zu was die Elevators noch fähig gewesen wären. Wenige Zeit später zerbrach die Band. Hall lebte als durchgeknallter Philosoph in Kalifornien und ließ in der Folge mit zweifelhaften Aussagen von sich hören. Sutherland wurde elf Jahre später von seiner Ehefrau erschossen. Roky Erickson musste ein Martyrium über sich ergehen lassen, ist heute eine Kultikone und weiterhin auf Tour.

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