„Pretty Fucked Up“: Die Musikvideos von Eric Wareheim

Strobos, Horrorwesen und Genitalien – Eric Wareheims Musikvideos sind Alptraum und Comedy-Gold zugleich.

Flying Lotus sorgt mit seinem Film Kuso („Grossest film ever made“ – The Verge) derzeit für Aufsehen. Deformierte Gestalten bevölkern diesen quietschbunten Alptraum und schwimmen in Körperflüssigkeiten. Wenn man auf Spurensuche geht, woher Flying Lotus die Ästhetik hat, wird man ziemlich schnell auf Eric Wareheim stoßen.

Eric Wareheim ist in Europa relativ unbekannt. Zuletzt könnte man im Rahmen der Netflix-Serie „Master of None“ mit Aziz Ansari auf ihn gestoßen sein. Der bärtige Riese? Mit dem seltsamen Gesichtsausdruck? Ja, das ist Wareheim. In den USA erlangte er durch seine Arbeiten mit Tim Heidecker eine gewisse Berühmtheit. Diverse Comedy-Shows, Stand-Up-Auftritte und Web-Serien hat das Duo bereits gemacht, u.a. für Adult Swim. Wareheims Leidenschaft gilt aber Musikvideos, sehr speziellen Musikvideos.

„If you’re hiring me, you know my work“, sagte Wareheim im Interview mit dem AV Club. Seine Videos sind sehr speziell und unverkennbar. Erstes Kennzeichen: Schräge, unansehnliche Gestalten machen seltsame Dinge und werden dabei in Neonfarben gehüllt. Zweites Kennzeichen: Die Band ist fast nie im Video vertreten. Dies sorgte vor allem bei seinem Video für Depeche Mode für einen riesigen Aufschrei unter Fans der Band.

So werden in „Hole to Feed“ die New-Wave-Legenden von einer J-Pop-artigen Gruppe dargestellt. Das Publikum beginnt im Laufe des Songs damit, intensiv zu küssen. Auf YouTube existiert das Video nicht mehr.

Begonnen hat Wareheim 2007 mit „Polite Dance Song“ für die befreundete Band „The Bird and the Bee“. In dem Video tanzen Herrschaften expressiv zu dem Song, die Aufnahmen erinnern an Home Videos. Ein harmloses, wenn auch sehr obskures Video.

Größere Aufmerksamkeit erlangte Wareheim mit seinem „Parisian Goldfish/Dance Floor Dale“-Video für Flying Lotus. Vor einer grellen Neonwand hat ein Pärchen verpixelten Sex. Trotz der Verhüllungen ist der Akt eindeutig erkennbar, weshalb YouTube das Video kurz nach Erscheinen von der Seite nahm. Mittlerweile ist es wieder verfügbar.

Zentrale Werke von Wareheims Schaffen sind die Arbeiten für Major Lazer, dem Projekt des Produzenten Diplo, mit dem ihm eine Freundschaft verbindet. Das bekannteste Video ist wohl das für „Bubble Butt“, das mit seinen Riesenärschen und dem vollkommen abgefahrenen Set Berühmtheit erlangt hat. Die Filme für Major Lazer sind immer überdreht und repräsentieren damit perfekt den Over-the-Top-Sound der Gruppe.

Wareheim kann nicht nur quietschbunt, er weiß auch eine klaustrophobische Horrorstimmung zu erzeugen. Für die Noise-Punks von HEALTH inszenierte er „We are Water“ als Slasher-Stück. Humor ist trotz der abartigen Verfolgungsjagd auch hier enthalten.

Als großer Twin-Peaks-Fan setzte Wareheim für „Wishes“ von Beach House dem Leland Palmer-Darsteller Ray Wise ein Denkmal. Der Song, der auch perfekt in die Serie gepasst hätte, wird durch die Performance noch mystischer und unheimlicher, das Setting auf dem Sportplatz bringt Absurdität hinein.

Fast ein Wunder, dass das Video für „Streaker“ von Tobacco noch auf YouTube zugänglich ist. Hier ist so ziemlich alles enthalten, was Wareheims Filme auszeichnet: Strobos, Horrorwesen und Genitalien.

„Die Zukunft von Amerika“ ist laut Wareheim in einem weiteren legendären Video abzulesen. „Ham“ von Mr. Oizo zeigt fette Menschen (der Protagonist ist John C. Reilly) auf der Jagd nach Belanglosigkeiten.

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