Die 25 besten Alben des Jahres 2018

2018 standen Boy-Girl-Duos hoch im Kurs. So sind gleich drei derartige Bands in unseren Top Ten gelandet, mit jeweils unterschiedlichen Ansätzen.

Platz 25: Daughters – You Won’t Get What You Want (Ipecac)

Einst war da Grindcore, dann Mathcore und dann eine achtjährige Pause. 2018 kehrten die Daughters mit einer neuen Platte zurück und überraschten abermals. Das sehr düstere Werk nimmt nun Anleihen an Industrial. Geschrei ist einer eindringlichen Spoken Word-Performance gewichen. Mit Sicherheit auf Platz 1 der anstrengendsten Werke 2018.

Platz 24: HÄXXAN – The Magnificent Planet of Alien Vampiro II (Slovenly)

Den Titel für den besten Plattennamen haben die Israelis definitiv in der Tasche. Dahinter versteckt sich wunderbarer, sehr wendiger Fuzz Punk, der immer wieder eine neue Idee anbietet. Parallelen zu Ty Segall tun sich sofort auf, doch HÄXXAN sind mehr als eine Coverband. Die Eigenständigkeit entsteht durch die Verwendung diverser Genres, sogar eine Power Pop-Nummer findet sich auf dem Werk wieder.

Platz 23: Crypt Trip – Rootstock (self / Heavy Psych Sounds)

Stoner Rock, wie er sein muss, wie ihn einst Black Sabbath auf den Weg schickten. Crypt Trip aus Texas spielen den Boogie dreckig, wummern heftig und sind schon ungemein sexy. Diese Platte muss eine Genre-Referenz werden. Wie „Sky Valley“ von Kyuss? Ja, auf jeden Fall. Es deutet sich an, dass Crypt Trip mit ihrer neuen Platte mehr in Richtung Country Rock driften werden. Genießen wir also dieses Werk noch einmal.

Platz 22: Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs – King of Cowards (Rocket Recordings)

Richtig fies, was uns die Engländer da anbieten. Als hätte man Lemmy Kilmister nachts um 2 Uhr volltrunken aus dem Bett geholt und vor eine Sludge-Band gestellt. Das Album ist ein durchgehender, sehr böser Track. Bei all der Miesmacherei ist das aber auch wundervoll gespielt und super komponiert.

Platz 21: SLIFT – La Planète Inexplorée (Howlin‘ Banana Records, EXAG‘ Records, Six Tonnes De Chair Records, Rockerill Records, Stolen Body Records)

King Gizzard & The Lizard Wizard haben 2018 auf einen Release verzichtet. In die Bresche springen die Franzosen von SLIFT. Es gibt verkopften, proggigen Psych Rock, der fremde Welten erkundet. Sie sind hier nicht gar so treffsicher, wie auf ihrer Debüt-EP, bleiben aber einer der spannendsten Bands unserer Tage.

Platz 20: The Limiñanas – Shadow People (Because Music)

Harmlosen Spaß bieten The Limiñanas auf „Shadow People“ an. Melodien für Millionen, immer schön psychig verhuscht. Französische Songwriting-Tradition spürt man, das reicht hier gut an die Beat-Größen der 1960er heran. Eine Platte für Tage am Strand, für die Party im Garten und auch die älteren Semester wippen mit.

Platz 19: The Men – Drift (Sacred Bones Records)

Ach, was haben sich die New Yorker nun wieder einfallen lassen? Synthies, Orgel und Saxofon? Geht in Ordnung, denn bei The Men funktioniert eigentlich immer alles. Garantiert wird es nie langweilig und wem Song A nicht gefällt, der skippt zu Song B, der sich garantiert komplett anders anhört. Die Grundlage bietet weiterhin die Noise Rock-Vergangenheit, die auf einer, ebenfalls 2018 erschienen, „Early Years“-Compilation mit dem Titel „Hated“ nachzuhören ist.

Platz 18: BOYTOY – Night Leaf (Stolen Body Records)

Ebenfalls aus New York kommen BOYTOY. Sie spielen aber nicht gerade typischen NY-Sound sondern eher etwas, was sich nach Kalifornien anhört. Desert Psych und Surf sind die bestimmenden Genres. Es ist eine Platte mit 1001 Ohrwürmern, die mit einer unfassbaren Leichtigkeit vorgetragen werden.

Platz 17: Lonely Parade – The Pits (Buzz Records)

Die Kanadierinnen beherrschen den Post Punk und wissen ihn zu variieren. „The Pits“ ist eine vielseitige Platte, die aber immer zum Punkt kommt. Die Songs sind zwingend, dennoch melodisch. Ein absolut rundes, fantastisches Werk, das man ewig auf Repeat haben muss.

Platz 16: Mt. Mountain – Golden Rise (Cardinal Fuzz)

Packender Slow-Motion-Psych-Rock aus Australien: Mt. Mountain lassen es ruhig angehen, fesseln aber von der ersten Sekunde an. Die Arrangements können atmen, alles fließt angenehm dahin. Das dritte Album ist das bisher eindringlichste Werk der Band.

Platz 15: Oh Sees – Smote Reverser (Castle Face)

2017 nahmen die Oh Sees mit „Orc“ noch Platz 1 der Jahresbestenliste ein, dieses Mal reihen wir sie etwas weiter hinten ein. Das soll nicht heißen, dass die Garage-Psych-Band nachgelassen hat. Nur ist dieses Mal ein Hauch Orientierungslosigkeit zu spüren und die großen Gassenhauer fehlen ebenfalls. John Dwyer & Co. verzetteln sich etwas im Prog. Das ist weiterhin sehr gut, aber nicht mehr ganz so überragend.

Platz 14: Gnod – Chapel Perilous (Rocket Recordings)

Gnod wühlen auf und auch an „Chapel Perilous“ haben wir zu knabbern. Die Engländer setzen dieses mal mehr auf peitschenden Industrial und verstörende Soundflächen. „Donovan’s Daughter“ ist mit der anspruchsvollste Track des Jahres. Wer diese 15 Minuten überlebt, ist für alles gewappnet.

Platz 13: Hot Snakes – Jericho Sirens (Sub Pop)

Die Kalifornier sind mittlerweile im gesetzteren Alter, versprühen aber viel Frische. Ihr Post Hardcore klingt auch nach 14 Jahren Pause noch richtig fett, die Hits schütteln sie aus dem Ärmel. Wie etwa „Six Wave Hold Down“, ein Song, der nie wieder weggeht. Die Hot Snakes packen dich, schütteln dich durch und das fühlt sich alles so gut an.

Platz 12: Last of the Easy Riders – Unto The Earth (Agitated Records)

Die Band aus Denver schaut zurück auf die Hippie-Zeit und kombiniert Country Rock mit Psych. Herausgekommen sind sanfte Hymnen, die völlig unbeirrt dahingrooven. Man fühlt sich an den Bakersfield Sound erinnert und an Zeiten, in denen die Menschen Blumen im Haar trugen und sich gegenseitig zu lieben versuchten.

Platz 11: Dr Chan – Squier (Stolen Body Records)

Auf dem Vorgängeralbum ließen es Dr Chan noch ordentlich scheppern, auf „Squier“ entdecken sie den Pop für sich. Garage Psych ist das immer noch, doch das Tanzbein wird bedeutend mehr beansprucht. Zackige Rhythmuswechsel wechseln sich mit großen Melodien ab.

Platz 10: Golden Dawn Arkestra – Children Of The Sun (Nine Mile Records)

Man möchte die Welt umarmen, sich mit ihr im Kreis drehen. Die Texaner von Golden Dawn Arkestra sorgen dafür, dass man „Children Of The Sun“ mit einem permanenten Lächeln auf den Lippen genießt. Es ist Funk-Afrobeat-Psych-Rock, der sommerlicher und beschwingter nicht sein könnte.

Platz 9: Cobra Man – Toxic Planet (Goner)

Alle Welt steht auf 1980s Synthie-Sounds, die aus trashigen Horrorfilmen zitieren. Cobra Man tun dies auch, aber hier funktioniert es am besten. Das Duo mischt noch etwas Disco bei. Eigentlich als Soundtrack zu einem Skaterfilm gedacht, kann die Platte auch ganz alleine für sich stehen.

Platz 8: Warm Drag – Warm Drag (In The Red)

Warm Drag bestehen aus Vashti Windish (K-Holes) und Paul Quattrone (Oh Sees). Auf ihrem Debüt liefern sie saucoolen Desert Psych ab und streuen scheppernde Synthie-Nummern ein. Die frühen The Kills öffnen sich als Parallelen. Mystisch schleichend haben sie dabei ebenso drauf, wie punkig krachend.

Platz 7: Gouge Away – Burnt Sugar (Deathwish)

Eine Platte zwischen brutalem Hardcore Punk und lockerem Noise Rock. Nach 30 Minuten steht die Welt in Flammen. Die Band aus Florida kann es hart, aber auch bedrohlich. Besonders gut sind eben diese ruhigen, noisigen Stellen geraten. In den Moshpit wollen wir trotzdem mit Geschrei.

Platz 6: La Luz – Floating Features (Hardly Art)

Mit dem dritten Album gelang der Band aus Seattle der ganz große Wurf. Melodischer Surf ist weiterhin da, doch das Spektrum wird erweitert. Haunted Desert Psych und Lounge melden sich an, dazu ein sehr prominentes Keyboard. Nie waren La Luz besser, nie vielseitiger.

Platz 5: The Nude Party – The Nude Party (New West Records)

Was für ein Debüt: The Nude Party liefern auf ihrer ersten Platte schon ein sehr sicheres Werk ab. Es ist Country Rock, der mit Garage Psych auf cool getrimmt wird. Wir sitzen in einem unverschämt langen Amischlitten, die Bierdose in der einen Hand, das Lenkrad in der anderen. Die Zigarette hängt schief im Mundwinkel und Asche fällt auf unser Hawaiihemd.

Platz 4: King Tuff – The Other (Sub Pop)

Er wollte nicht mehr der Typ sein, den jeder nach einem Konzert auf ein Bier einladen möchte. Nicht mehr das schrille Partytier, nicht mehr der, der ständig High-Fiven muss. King Tuff, der keinen Alkohol trinkt und eigentlich ein normaler Slacker ist, zog sich für „The Other“ zurück und lieferte eine sehr persönliche und ruhige Platte ab. Sie berührt, macht traurig, aber dennoch glücklich darüber, dass sich hier jemand gefunden hat.

Platz 3: Ty Segall & Freedom Band – Freedom’s Goblin (Drag City)

Wie viele Platten hat Ty Segall 2018 veröffentlicht? Fünf, sechs? War alles gut, das beste Album erschien aber bereits zu Jahresanfang. Im Vergleich zum Vorgänger hat Segall seine Freedom Band nicht verändert. Es ist etwas zusammengewachsen, das wird sehr deutlich. Die Varianz ist enorm. Es wird funky, Sixties Psych findet sich wieder und auch knackiger Punk. Gehört mit zu den besten Arbeiten des Kaliforniers.

Platz 2: Kaviar Special – Vortex (Howlin‘ Banana Records)

Nicht eine Sekunde ist überflüssig, nicht ein Mal lässt uns „Vortex“ los. Kaviar Special liefern ein unfassbares Fuzz-Psych-Inferno ab. Dabei haben sie atmosphärische Jams ebenso drauf wie heruntergeprügelte Punk-Nummern. Dieses Jahr für Freunde des Heavy Psych unerreicht und sowieso eben die zweitbeste Platte überhaupt.

Platz 1: Sunflowers – Castle Spell (Stolen Body Records)

Was zuvor als Ideen vorlag, arbeiteten die Sunflowers für „Castle Spell“ aus. Es ist ein atemloses, dann wieder zurückgelehntes Garage Psych-Album geworden, das auf ewig bestehen wird. Der Boy-Girl-Zwiegesang ist perfekt, er peitscht nach vorne und macht einen wahnsinnig. Das Duo aus Portugal hat sich nun einen Bassisten hinzugenommen. Wir warten gespannt auf das nächste Album.

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