Die 25 besten Alben des Jahres 2017

Es wurden sicherlich tolle Veröffentlichungen übersehen und in ein paar Jahren werden wir uns wundern, wie wir die eine oder Platte übersehen haben konnten, doch trotzdem gibt es hier die Liste der besten Alben des Jahres 2017.

Platz 25: Pissed Jeans – Why Love Now (Sub Pop)

Wenn man das so sagen kann: Noch nie haben die Pissed Jeans mainstreamiger geklungen als auf „Why Love Now“. Einerseits ist der Sound fett produziert und man probiert teilweise sehr eingängige Riffs aus. Auf der anderen Seite ist das Grundthema der Platte Männlichkeit, welche 2017 wahrscheinlich so ausgiebig wie noch nie diskutiert worden ist. Zu Jahresbeginn, als das Album erschienen ist, gab es die #metoo-Debatte noch nicht in der breiten Öffentlichkeit. Auf „Why Love Now“ werden die Männlichkeitsthemen bereits abgehandelt. Am deutlichsten auf „I’m A Man“, in dem von Gastsprecherin Lindsay Hunter das Alphamännchen im Bürobereich besprochen wird. Lydia Lunch hat co-produziert und vielleicht hat dies den Ausschlag gegeben, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen.

Die fünfte Platte der Noise Rocker ist ihr bisher eingängigster Eintrag, wenn auch die unbequemen Stellen weiterhin überwiegen. „The Bar Is Low“ sticht als Beitrag für die Rock-Disco heraus, gekratzt und gespuckt wird aber weiterhin.

Platz 24: King Gizzard & The Lizard Wizard – Murder of the Universe (Flightless)

Die Australier waren mit dem wahnsinnigen Plan in das Jahr 2017 gestartet, fünf Platten zu veröffentlichen. Das ist ihnen gelungen. Alle Veröffentlichungen hatten dabei ihren Charme und waren insgesamt solide bis sehr gut. Die spannendste Arbeit war aber sicherlich „Murder of the Universe“.

Eine SciFi-Prog-Rock-Oper voller Wahnsinn und Monstern. Getragen durch Erzählstimmen, untermalt durch den Signature-Lizard-Sound. Solch ein Wagnis gelingt nicht vielen, King Gizzard aber mit Leichtigkeit.

Platz 23: Maston – Tulips (Phonoscope)

Vermutlich hat Frank Maston während der Entstehung seines Albums „Tulips“ sehr viele Trashfilme der 1960er und 1970er gesehen. Denn nach deren Soundtracks hört sich die Platte an. Man meint, eine vergessene Ennio Morricone-Aufnahme vor sich zu haben. Sehr rund und fließend ist „Tulips“ geworden, schwingt gekonnt zwischen Lounge und Sixties Beat. Sollte jemand einen Exploitation-Revival-Film planen, hier wäre die passende Musik dazu.

Platz 22: Wand – Plum (Drag City)

Nach den manischen Frühwerken im schnellen Erscheinungszyklus nahm sich Wand-Gründer Corey Hanson für „Plum“ etwas mehr Zeit. Die Band wurde neu ausgerichtet. Der krachende Garage Punk ist zurückgelehntem Sixties Psych gewichen. Die Songs sind oft ausufernd, sehr reich instrumentiert und ausgefeilt. Epische Jams werden von ruhigen Stellen begleitet. Ein paar Kanten gibt es immer noch, doch sie sind weniger geworden.

Platz 21: Temple ov BBV – dto. (Rocket Recordings)

RMFTM und Gnod müssen eigentlich auf die Jahresbestenliste. Beide haben 2017 hervorragende Platten veröffentlicht. Ihre Zusammenarbeit als Temple ov BBV überragt aber alles. Eigentlich als Experiment für das Eindhoven Psych Lab 2016 vorgesehen, kam dieses Jahr ein Album mit vier Songs. Wenige Tage haben die Aufnahmen gedauert und die beiden Bands haben es in dieser Zeit geschafft, ein Monster zu erwecken.

Sicherlich einer der unbequemsten Platte des Jahres. Hier werden Industrial, Psych, experimentelle Elektronik und Noise verarbeitet. Das Tor zur Hölle öffnet sich und zieht dich hinein.

Platz 20: Meatbodies – Alice (In The Red Recordings)

Wie schon auch Wand zeigen sich die befreundeten Meatbodies 2017 gereifter. Auf ihrem 2014er Debüt gab es noch zackigen Fuzz Punk, hier präsentieren sie ein Konzeptalbum voller psychedelischer Ideen. Ähnlich wie es King Gizzard & The Lizard Wizard so gerne machen erzählen die Meatbodies auf „Alice“ eine kryptische Geschichte. Comic-Charaktere tauchen auf, Symbolik wird stark eingesetzt.

Musikalisch ist der bekannte Fuzz Punk nach wie vor Blaupause. Doch auch Glam Rock und die Beatles erhalten Raum. Sehr ambitioniert, aber auch sehr gut. „Creature Feature“ ist einfach ein verdammter Hit.

Platz 19: Hey Colossus – The Guillotine (Rocket Recordings)

Rocket Recordings hat sich dieses Jahr zu einem Spezialisten für aufwühlende und harte Gitarrenmusik entwickelt. Mit Hey Colossus und „The Guillotine“ veröffentlichte das Label ein politisches, mächtiges und dennoch sehr zugängliches Album, betrachtet man das, was die Band sonst so in ihrem Backkatalog stehen hat.

Auf dem elften Alben ist man dennoch nicht milde geworden. Die Gitarren sind weiterhin laut und wuchtig. Dennoch schleichen sich an manchen Stellen ruhige Töne ein. Wie wenn man auf dem Nagelbrett noch eine dünne Schicht Watte auflegt.

Platz 18: Ty Segall – dto. (Drag City)

Jedes Jahr ein neues Ty Segall-Album. Das ist so und wird auch immer so sein. Für sein zweites selbstbetiteltes Werk hat er die Freedom Band um sich geschart, bestehend aus langjährigen Weggefährten, wie Mikal Cronin und Charles Moothart. Segall gab im Rahmen der Veröffentlichung an, von den permanenten Besetzungswechseln in Zukunft absehen zu wollen. Die Freedom Band soll bleiben. So ist sie auch wieder am für 2018 angekündigten Werk „Freedom’s Goblin“ wieder beteiligt.

„Ty Segall“ ist eine kleine Werkschau geworden. Knackige Garage Rocker, hippieskes Material und psychedelische Jams wechseln sich ab. Sozusagen ein Best of oder auch eine zwischenzeitliche Reinigung. Segall war schon mal besser, ist aber nach dem schrägen „Emotional Mugger“ zugänglicher und insgesamt auch angenehmer.

Platz 17: Vuelveteloca – Sonora (Fuzz Club Records)

Fuzz Club Records brachte uns 2017 dieses chilenische Kleinod näher. Die Band steht schon beim fünften Album und es ist ein Jammer, dass ihre Existenz in Europa bisher nur wenigen Menschen bekannt war. „Sonora“ ist eine großartige Jam-Rock-Platte, die sehr vom Kraut Rock beeinflusst ist, der aber auch der Neo-Psych der Black Angels nicht unbekannt ist.

Platz 16: The I.L.Y’s – Bodyguard (Castle Face/Third Worlds)

Zach Hill und Andy Morin sind normalerweise bei der Industrial-Hip-Hop-Combo Death Grips angestellt. Den zerstörerischen Sound des Mutterschiffs lassen sie bei ihrem Nebenprojekt aber beiseite. Teilweise geht es hier auch komplizierter zu, es dominieren aber die Psych-Sounds, die mal atmosphärischer dann wieder punkiger ausfallen. Mit „49er Lighter“ gibt es gar astreinen Indie Rock.

Platz 15: Chastity Belt – I Used To Spend So Much Time Alone (Hardly Art)

Ein Freudenquell war die Musik von Chastity Belt noch nie. Für ihr neues Album haben sie ihre Sounds noch etwas verdichtet und die Stimmung eine Spur melancholischer angelegt. Murray-Street-Sonic-Youth treffen auf Anleihen an 80er-Wave. Für Nächte am geschlossenen Fenster.

Platz 14: Weeping Icon – Eyeball Under (Kanine Records/Fire Talk Records)

Ein weibliches Mitglied einer nicht weiter erwähnenswerten Psych-Band sagt in einem legendär unnötigen Auftritt bei FOX News, dass sie die ganzen Frauenbands Leid sei. Sie könnten keine Instrumente spielen und würden nur Krach erzeugen, so die Aussage zusammengefasst. Einer dieser Krachbands ist Weeping Icon. Sie stachen aus der Menge an hervorragenden all-female Punk Bands heraus.

Sie servieren auf „Eyeball Under“ temporeichen, politisch getränkten Noise Punk. Viel Wut steckt da drin und viele tolle Ideen.

Platz 13: Mind Meld – dto. (Permanent Records)

Mind Meld boten mit ihrem Debütalbum das, was es 2017 so selten gab: schnörkellosen und fuzzy Psych. Es werden keine ausufernden Jams oder Spielereien eingeführt, dies ist einfacher und erdiger Rock. Aus.

Platz 12: L.A. Witch – dto. (Suicide Squeeze Records)

Sechs Jahre hat es gedauert, bis L.A. Witch ihrem staubtrockenen Desert Psych endlich einen Longplayer schenkten. Viele der darauf enthaltenen Songs sind bekannt, für die Platte wurden diese teils neu angemalt. Ein Geschenk für alle, die ihre L.A. Witch-Songs nicht durch den Erwerb von weit verstreuten Singles zusammensammeln wollen.

Platz 11: Honey – New Moody Judy (Wharf Cat Records)

Acht Songs, der letzte knapp acht Minuten lang, alles andere knackig gehalten. Honey packen ihren energetischen Noise Rock im Stile von Unsane gerne in ein enges Korsett. So auch auf „New Moody Judy“. Da ist kein Gramm Fett, just pure Riff Rock. Die beste Platte in diesem Jahr für den Streßabbau.

Platz 10: ORB – Naturality (Castle Face/Flightless)

Eine der vielen Bands, die so ähnlich wie King Gizzard & The Lizard Wizard klingen. Zudem kommen sie ebenfalls aus Australien und veröffentlichen auf demselben Label. Auf „Naturality“ klingen sie aber deutlich fokussierter als die großen Vorbilder. Dennoch erlaubt man es sich, innerhalb der Songs Stile zu variieren und Ideen schnell zu verwerfen. Doom-Anleihen werden ebenso abgehandelt wie Synthie-Strecken.

Platz 9: SLIFT – Space Is The Key (Howlin‘ Banana/EXAG)

Auch hier haben wir es mit einer Band zu tun, die sich King Gizzard & The Lizard Wizard als Vorbild nehmen. Die Oh Sees können auch herausgehört werden. Doch genug des Namedropping: Die Franzosen haben mit „Space Is The Key“ ein absolut fantastisches Album vorgelegt. Aus den Vorlagen kreieren sie Neues. Wild werden Stile gewechselt und viel ausprobiert.

Eigentlich ist die Platte nur eine EP, die Lauflänge ist aber die eines Longplayers. Und der Inhalt reicht sowieso dafür. Das abgefahrene „Dominator“, das überfallartige „The Sword“, das schleichende „Sound In My Head“ – alles wahnsinnig gut.

Platz 8: METZ – Strange Peace (Sub Pop)

Nach den Pissed Jeans hat sich mit METZ eine weitere Sub-Pop-Noise-Band etwas eingängigeren Sounds geöffnet. Man muss das natürlich immer im Zusammenhang mit ihrem sägenden Rock sehen, man wird „Strange Peace“ also nicht am Heiligabend zur Bescherung auflegen. Produzent Steve Albini hat etwas justiert und Türen geöffnet. Wiederholungen dominieren, aber auch angenehme Hooks werden eingestreut.

„Strange Peace“ ist sicherlich die bisher beste Arbeit von METZ. Die neuen Farben stehen der Band ungemein gut.

Platz 7: Pretty Lightning – The Rhythm of Ooze (Fuzz Club)

Südstaaten-Rock von zwei Jungs aus Saarbrücken: „The Rhythm of Ooze“ ist dreckig, bluesy und psychig. Das Duo erzeugt auf der Platte einen unfassbaren Druck, biegt dann ab und an in schlammige Gefilde ab. Man kann sich darin verlieren oder wie bescheuert die Matte schleudern.

Platz 6: The Black Angels – Death Song (Partisan Records)

Die letzten Jahre waren für The Black Angels nicht einfach. Ihr Levitation-Festival musste 2016 abgesagt werden und dann 2017 gar eine Pause zur Reorganisation einlegen. Zudem lag der Band das Ergebnis der US-Präsidentenwahl schwer im Magen. Auf „Death Song“ spürt man Frustration, aber auch Hoffnung. „Half Believing“ rührt zu Tränen, doch es ist Licht am Ende des Tunnels.

The Black Angels kehren nach einigen Verfehlungen wieder zu ihrem schleppenden Psych-Sounds zurück und veröffentlichen das wohl beste Album seit „Passover“.

Platz 5: Dusty Mush – Cheap Entertainment (Howlin‘ Banana Records/Stolen Body Records)

„I Ate Your Dog“…der wohl bescheuertste Song des Jahres findet sich auf „Cheap Entertainment“ wieder. Es zeigt, wohin es hier gehen soll: Punk der Gaga-Art. Die Franzosen drehen den Fuzz auf, so dass es beinahe unangenehm aus den Boxen surrt. Mal temporeich, dann wieder gemütlich liefern sie Hit auf Hit ab. Besser kann man Fuzz-Punk nicht machen.

Platz 4: Pontiak – Dialectic of Ignorance (Thrill Jockey)

Legt man die Genre-Grenzen genau an, dann haben Pontiak das beste Psych-Rock-Album des Jahres abgeliefert. Im Vergleich zu den Vorgängern lassen es die drei Brüder aus Virginia ruhig angehen ohne in Sleep-Drögheit zu verfallen. Die Songs sind ehrlich und verloren. Sie erzählen Geschichten von Einsamkeit und dem Umgang mit der Natur. „Easy Does It“ lautet das Credo.

Platz 3: Mind Rays – Nerve Endings (PNKSLM)

Wieder Fuzz-Punk, dieses Mal weniger albern dafür umso räudiger. Etwas ein Querschnitt aus Pissed Jeans und der Band Fuzz. Voller Inbrunst wird gesungen, die Instrumente werden mit vollem Ernst bearbeitet. Mit „Still & All“ haben sie einen Wahnsinnshit auf der Platte. Die Belgier muss man im Auge behalten, doch es ist beinahe unvorstellbar, wie sie „Nerve Endings“ noch übertrumpen wollen.

Platz 2: Aivery – Because (Siluh Records)

Sehr kurz ist „Because“. Nicht einmal eine halbe Stunde lang. Doch das reicht den Österreicherinnen völlig. Es ist eine Grunge-Platte und eine Noise-Platte und wohl auch eine Punk-Platte. Auf jeden Fall ist sie mit das beste, was international im Rock 2017 entstanden ist. Sehr tight und fett produziert, mit Überhits gespickt. Muss man haben, muss man immer wieder hören.

Platz 1: Oh Sees – Orc (Castle Face Records)

„Orc“ ist auch deshalb so bemerkenswert, wenn man es mit den Anfängen der Band vergleicht. Im Jahr des 20. Jubiläums der Band war man geneigt, sich die Frühwerke anzuhören. Aus der einstigen LoFi-Art-Rock-Band ist 2017 ein stilprägendes Rock-Monster geworden. Mit dem zweiten Werk 2017, „Memory of a Cut Off Head“, besann man sich als OCS seiner Wurzeln.

Als Oh Sees hat man mit „Orc“ die beste Platte der Bandgeschichte vorgelegt. Man hat endlich Verwendung für die beiden Schlagzeuger gefunden, John Dwyer darf Metal-Shouts ausprobieren. Die Songs sind mal Doom-Massaker und dann wieder zarte Psych-Folk-Skizzen. Einfach nur großartig.

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